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Kanu


Das Wort Kanu ist (im deutschsprachigen Raum) der Oberbegriff für alle Wassersportgeräte, die mit Paddeln in Blickrichtung bewegt werden. Die wesentlichen Gattungen sind dabei Kajaks und Kanadier.

Begriff

Der Begriff ist auf eine Eindeutschung des englischen canoe Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen, als vermehrt aus Großbritannien stammende Kanuten in Kontinentaleuropa unterwegs waren. Der älteste deutsche Kanuverein, der 1905 gegründete Alster-Canoe-Club aus Hamburg, führt weiterhin die traditionelle Schreibweise Canoe in seinem Namen.

Durch die homonyme Übertragung des (dort für offene Kanadier stehenden) amerikanischen canoe als Kanu wird auch in der deutschen Sprache gelegentlich fälschlich zwischen Kajak und Kanu differenziert, obwohl Kanadier gemeint ist. Im Britischen Englisch wird canoe eher gemäß dem deutschen Sprachgebrauch als Oberbegriff verstanden und das nordamerikanische canoe als open, canadian oder indian canoe bezeichnet. In der französischen Sprache wird auch weiterhin zwischen den beiden Bootsformen unterschieden und der Kanusport als Canoë-Kayak bezeichnet.

Zuerst verwandte Christoph Kolumbus den Ausdruck der Arawak aus der Karibik, und Garcilaso de la Vega definierte ihn als ein offenes Boot. Die Engländer verwandten dann diesen Ausdruck für alle Boote der Indianer. Der Begriff Kanadier in Europa entstand aus einem Missverständnis, als das Open Canadian Style Kanu aus Kanada, dem damals von der American Canoe Association anerkannten offenen Kanu, stellvertretend für alle Kanus angesehen wurde. Das Kanu aus Maine aus Holz und Tuch, welches erst 1934 anerkannt wurde, wurde dann auch als Kanadier bezeichnet.

Geschichte

Einbaumfunde von 6000 bis 4000 v. Chr. gibt es in Schottland. Den Ursprung des Kanus datiert man auf ca. 4000 v. Chr. Ein Ur-Kanu, das etwa dieses Alter hat, wurde auch am Euphrat gefunden. Das Einbaum ist jedoch kein direkter Vorfahre der heutigen Kanusportboote. So sind Kajaks, Kanadier und Faltboote aus den Fellbooten der Inuit und den Rindenbooten der Indianer Nordamerikas weiterentwickelt worden. Die ersten Ausführungen bestanden aus Tierhaut und Knochen bzw. Birkenrinde oder Holz. Auch Faltboote bestehen aus einem Innengestell mit Bespannung, und sind sowohl als Kajaks als auch als Faltkanadier erhältlich. Manche Schlauchboote werden zu den Kanus gezählt.
Die Kajaks (ursprünglich immer gedeckte, also bauartbedingt oben geschlossene Kanus) stammen ebenso wie die Umiaks von den Inuit, die Kanadier von den Indianern Nordamerikas. Drachenboote stammen aus Asien, Auslegerkanus, Waka und Pirogen aus der Südsee.

Bezeichnung

Den Fahrer eines Kanus bezeichnet man als Kanuten bzw. Paddler. Kajaks werden in der Regel mit einem Doppelpaddel und Kanadier mit einem Stechpaddel bewegt.

Bauformen

Grob wird zwischen Kajaks mit geschlossenem Deck und Sitzluke(n) und den traditionell offenen Kanadiern unterschieden. Diese Unterscheidung trifft vor allem für Tourenboote, aber auch für Wettkampfboote im Kanurennsport und Kanumarathon zu. Im Kanuslalom, Wildwasserrennsport und Freestyle ist es manchmal schwierig, ein Kajak von einem Kanadier zu unterscheiden, da hier auch die Kanadier ein geschlossenes Deck haben können. Während Kajaks immer im Sitzen gefahren werden, kniet man z. B. im Wettkampfkanadier. In den Wildwasserkanadiern werden zur besseren Bootskontrolle und Gewichtsverteilung häufig Sattelsitze verwendet. Zusätzlich im Boot befestigte Knie- bzw. Oberschenkelgurte sorgen dafür, dass auch in extremen Fahrsituationen nicht der Halt im Boot verloren geht. So ausgerüstet, ist z. B. selbst im offenen Kanadier eine Eskimorolle zum Wiederaufrichten möglich. Im Kanurennsport und Kanumarathon (in der europäischen Wettkampfform) kniet der Paddler auf einem Knie, das andere ist aufgestellt. Diese Boote verzichten oft komplett auf einen Sitz.

Tourenkanadier werden vielfach im Sitzen gepaddelt, da die kniende Position (auf der Sitzvorderkante hockend, Füße unter den Sitz geschoben) gewöhnungsbedürftig ist. Die kniende Position bietet jedoch eine bessere Bootskontrolle und mehr Bewegungsfreiheit, daher wird sie in Kursen und Vereinen bevorzugt geschult. Einige Bootshersteller tragen dem Rechnung, indem sie Sitze verwenden die an der Vorderkante absenkbar sind und so die kniende Position erleichtern.

Eine Zwischenform ist die Baidarka, die sowohl kniend mit Stechpaddeln als auch sitzend mit Doppelpaddeln gefahren werden kann.
Die Hauptmerkmale der Fahreigenschaften von Kanus sind Geschwindigkeit, Wendigkeit und Kippstabilität. Heute kennt man im Kanusport vielfältige Bootsformen, Bootsklassen und Disziplinen. Kanadier sind häufig kippstabil, vertragen eine höhere Zuladung als Kajaks und lassen sich einfach beladen. Bedingt durch die Form sind Kanadier jedoch vergleichsweise langsamer und weniger wendig.

Eine Sonderform des Kanus ist der Punt. Ursprünglich wurden Punts aus Holz gebaut und durch Staken fort bewegt. Daher kommt der Name (das englische Verb "punt" bedeutet zu Deutsch staken). Der Grundriss ähnelt einem Rechteck. Das Hinterschiff ist gedeckt. Heute ist diese Kanuart hauptsächlich noch im Spreewald zu finden.

Heute werden Kajaks und Kanadier vor allem aus GFK, PE, Royalex, PVC und Aluminium gefertigt, seltener auch aus Holz oder als Textil- oder lederbespannte Spantenkonstruktion aus Weide, Schilf oder gar Knochen.

Quelle: Wikipedia "Kanu"

Kajak


Das Wort Kajak kommt von dem grönländischen Qajaq (Singular:Qajaup, Dual:Qajaak, Plural:Qajait), einem Paddelboot mit Ursprung in der Arktis und bezeichnet einen Bootstyp, der mittels Doppelpaddel angetrieben wird und dessen Insassen in Fahrtrichtung sitzen.

Kajaks und Kanadier bilden die beiden wesentlichen Untergruppen von Kanus.

Ursprung

Das Kajak wurde von den Inuit (Eskimos) als schnelles, wendiges Boot für die Jagd entwickelt. Die Inuit bauten einen Rahmen aus Holz und Knochen, der mit Tierfellen bespannt wurde. Vor allem in Grönland wird die traditionelle Kajakbauweise noch immer angewendet, wobei die Haut heute meist aus imprägnierter Leinwand besteht. Zum Kajakfahren trugen die Inuit während der kalten Jahreszeit spezielle Kajakhandschuhe, mit zwei Daumen.

Die Bauweise der Kajaks unterliegt regionalen Unterschieden; in Alaska eher kurz und breit, in Grönland eher lang und schmal. Das Ka-i-ak ist traditionell ein geschlossenes Männerboot, das oben offene Frauenboot ist das Umiak. Ähnliche Boote, nämlich die Baidarkas wurden auf den Aleuten verwendet. Eine Erfindung der Inuit ist auch die als Eskimorolle (auch: Kenterrolle) bekannte Technik, sich beim Kentern schnell und ohne Aussteigen wieder aufzurichten.

Eines der ältesten vollständig erhaltenen Kajaks befindet sich in der Schiffergesellschaft in Lübeck. Es wurde anfang des 17. Jahrhunderts im Nordatlantik geborgen.

Moderne Kajaks

Entwicklung und Verbreitung in Europa

Anfang des 19. Jahrhunderts sind vereinzelte „Grönländer“ in Deutschland aufgetaucht. 1860 wurde in Breslau der erste Grönländer-Club gegründet. 1866 veröffentlichte der Schotte John MacGregor A Thousand Miles in the Rob Roy Canoe on Rivers and Lakes of Europe. Vor der Erfindung des Faltbootes breitete sich das Kajak hauptsächlich in Nord- und Mitteldeutschland aus. Der Rücktransport war gegen die stärkere Strömung der Flüsse in Süddeutschland schwierig. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert war die Blütezeit der Faltboote (faltbare Kajaks aus Holz- oder Metallgerüst, mit imprägniertem Stoff bespannt). Mit der zunehmenden Motorisierung nahm ihre Notwendigkeit ab, wenngleich das Faltboot besonders bei Bahn- und Fernreisen nach wie vor Vorteile hat.

Design

Moderne Kajaks sind meist aus Polyethylen, ABS, GFK, CFK, aramidfaserverstärktem Kunststoff oder Holz gefertigt. Bei Schlauchkajaks sind Kautschuk oder PVC die gängigsten Materialien. Es existieren verschiedene Typen für unterschiedliche Anwendungen und Kanusportarten, die sich in ihrer Konstruktion stark unterscheiden können (geschlossen, offen oder Sit-on-Top; Verhältnis von Länge und Breite, Form des Rumpfes). Sie sind meist für ein bis zwei Personen, im Rennsport für bis zu vier Personen ausgelegt.

Verschiedene Typen (Auswahl)

Seekajak

Seekajaks sind lang und relativ schmal mit einem besonders geformten Bug und Heck. Die Konstruktion trägt der besonderen Situation an der Küste zu paddeln (Küstenkanuwandern) Rechnung. Sie bieten eine geringe Angriffsfläche für den Wind und sind geeignet für Wellengang. Diese sollten regulär für einen guten richtungsbezogenen Geradeauslauf bei natürlicher Wasserwelle auch im oberflächlichen Meeresstrom sorgen. Die meisten Seekajaks sind mehrfach geschottet, um ein Volllaufen und Sinken nach einer Kenterung zu vermeiden. Die Verwendung erfordert fachliches Wissen und besonderes Training.

Wanderkajak

Wander- oder Tourenkajaks sind meist zwischen 3,50 und 5 Meter lang und variieren in der Breite von 50 bis 70 Zentimeter. Wanderkajaks bieten vor und hinter dem Paddler meist viel Stauraum. Gepaddelt wird auf Flüssen (zum Beispiel Lahn) oder auf Seen (zum Beispiel Mecklenburgische Seenplatte).

Wildwasserkajak

Wildwasserkajaks sind kurz und wendig. Bug und Heck sind den Erfordernissen des Wildwassers angepasst. Man unterscheidet Untergruppen für die verschiedenen Arten des Wildwasserpaddelns: Riverrunner (Funcruiser), Creeker, Slalomboot und Squirter.

Spielboote (Rodeoboote)

Spiel- oder auch Rodeoboote genannte Kajaks sind Boote zum „Spielen“, die beim Playboating eingesetzt werden. Sie sind besonders kurz (max. 2,00 Meter) und wendig, haben meist im Raum des Cockpits das größte Volumen, damit das Kerzen und damit verbundene Figuren erleichtert werden. Meistens wird auf einer Welle oder einer Walze gespielt. Spielbootfahren im Wettkampf wird Kanu-Freestyle genannt, darin werden auch Welt- und Europameisterschaften, sowie Weltcups ausgetragen.

Gängige Ausrüstungsgegenstände

Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind Doppelpaddel, Schwimmweste und passendes Schuhwerk, das nicht beim Schwimmen behindert und ausreichend Schutz vor Verletzungen beim Aussteigen bietet (z. B. Wassersportschuhe oder Füßlinge). Paddler tragen spezielle Bekleidungen, die geeignet sind, sich komfortabler zu bewegen mit spezieller Funktionsunterwäsche und Paddeljacken und -hosen. Um das Kajak unsinkbar zu machen, gehören zur Ausrüstung Auftriebskörper, falls das Boot nicht durch Schotten unterteilt ist. Das Eindringen von Wasser in den Bootskörper kann durch eine Spritzdecke aus Nylon oder Neopren vermindert werden, wenn der Fahrer ausreichend mit der Bedienung vertraut ist, um beim Kentern aussteigen zu können. Viele See- und Tourenkajaks und alle Rennkajaks sind mit einem Steuer versehen, um das Boot auf Kurs zu halten. Zur Ausrüstung kann eine Einrichtung zum Steuern gehören. Diese besteht aus einer Steuerflosse im Heck (entweder unter dem Heck oder hinten am Heck) und wird über einen Seilzug mit den Füßen bedient. Die Steuerflosse kann einziehbar sein, damit sie bei niedrigem Wasser keinen Schaden nimmt. Besonders in Wanderkajaks, die genug Stauraum bieten, wird gerade bei längeren Touren Wechselkleidung und z. T. auch Campingbedarf mitgenommen. Es wird möglichst alles wasserdicht verpackt.

Sprachliche Besonderheiten

Im Deutschen werden Kajaks zu den Kanus gezählt und es existiert im Gegensatz zu anderen Sprachen außer dem Kompositum Kajakfahrer kein spezieller Ausdruck für den Sportler in einem Kajak. (Im englischen Sprachraum heißen die Fahrer kayaker, auf Französisch kayakistes.) Außerdem existiert kein eigenes Verb zu „Kajak“, weshalb die Tätigkeit als „Kajakfahren“ oder „Paddeln“ bezeichnet wird (anders im Englischen: „to kayak“).
Das Wort Kajak ist ein Palindrom.

Quelle: Wikipedia "Kajak"

 

Rudern


Der Ausdruck Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Wasserfahrzeuges durch menschliche Kraft mittels Riemen oder Skulls. Beim Skullen (englisch sculling) hält ein Ruderer in jeder Hand jeweils ein Ruder: das sogenannte Skull. Beim Riemenrudern (engl. rowing) hingegen hält der Ruderer ein Ruder, den Riemen, mit beiden Händen.

Rudern ist heute eine Kraftausdauer-Sportart, bei der Boote übers Wasser fahren, in denen – je nach Bootsgattung – unterschiedlich viele Leute sitzen: Die Spanne reicht in den olympischen Bootsgattungen vom Einer (auch Skiff genannt) bis zum Achter.

Geschichte

Das Rudern ist bereits seit der Antike bekannt. Vor der Erfindung von Dampf- und Dieselantriebsmaschinen war es die einzige Möglichkeit, unabhängig vom Wind auf dem offenen Wasser voranzukommen. Galeeren waren mit bis zu drei Reihen von Rudern übereinander ausgerüstet. Die Teilnahme an Fahrten derartiger Schiffe war nicht immer freiwillig: Häufig ruderten Sklaven.

Rudern wurde damals auch als Sportart betrieben. Teilweise bezeichnet Rudern in der Geschichtsschreibung alle Fortbewegungen auf dem Wasser. Im 18. Jahrhundert verfeinerten die Engländer den Sport. 1715 schrieb der Engländer Thomas Doggett den ersten Ruderwettkampf der Neuzeit aus; die erste Regatta auf der Themse fand 1775 statt, das so genannte "Doggett's Coat and Badge Race". Die bekannteste Regatta auf der Themse ist der Wettkampf der Ruder-Achter der Universitäten von Cambridge und Oxford, das so genannte Boat Race, das im Jahr 1829 zum ersten Mal stattfand. 1836 wurde der Hamburger Ruder-Club gegründet, und die erste deutsche Ruderregatta gab es 1844 in Hamburg[1] 1896 wurde Rudern olympisch. Aufgrund schlechten Wetters fiel die Disziplin jedoch aus und wurde somit 1900 erstmals ausgetragen.

Rudertechniken

Grundsätzlich kann zwischen Skullen (engl. sculling) und Riemenrudern (engl. rowing) unterschieden werden. Beim Skullen hält ein Ruderer in jeder Hand jeweils ein Skull. Beim Riemenrudern hingegen hält der Ruderer einen Riemen mit beiden Händen, der entweder Backbord oder Steuerbord in das Wasser taucht.

Die Aneignung und Verbesserung einer Rudertechnik soll es ermöglichen, unter biomechanischen Gesichtspunkten die Bootsgeschwindigkeit zu maximieren und gleichzeitig die körperliche Belastung zu minimieren. Im Laufe der Zeit hat sich im deutschen Raum folgendes Leitbild zur bestmöglichen Erreichung dieser Ziele herausgebildet.

Skullen

In der Auslage, auch Vorlage genannt, also am Beginn des Zuges, stehen die Unterschenkel annähernd senkrecht zur Wasseroberfläche, indem man mit dem Rollsitz nach vorne gerollt ist, der Oberkörper leicht nach vorne geneigt ist. Der Oberkörper sollte möglichst nicht auf den Oberschenkeln aufliegen; die Arme sind weitest möglich nach vorne-außen gestreckt, um eine möglichst große Schlagweite zu erzielen, die Blätter sind orthogonal zur Wasseroberfläche aufgedreht, die Blattunterkante befindet sich nicht mehr als 5 cm über der Wasseroberfläche. Am Ende der Rollbewegung werden die Ruderblätter in das Wasser eingetaucht (gesetzt).

Darauf wird unmittelbar mit dem Durchzug begonnen: Die Beine treten gegen das Stemmbrett (hierbei sollte darauf geachtet werden, dass man nicht zu stark antritt, sondern die gefühlte Kraftanwendung gegen Endzug erhöht), die Arme bleiben natürlich gestreckt, der Oberkörper wird mitgeführt und geht in die Senkrechte, dieser bleibt mit der Hüfte auf einer Linie.

Die Skulls müssen, damit die Innenhebel (der Teil des Skulls, der von der Dolle des Auslegers gesehen zur Mitte des Bootes reicht) nicht aneinander stoßen, vom Ruderer hintereinander geführt werden. In Deutschland wird das Backbordskull vom Ruderer aus gesehen vor und etwas unter dem Steuerbordskull geführt, das Backbordskull ist also näher am Körper. In der DDR wurde das Steuerbordskull vor und etwas unter dem Backbordskull geführt, was jedoch nach der Wende 1990 zu Gunsten einer einheitlichen Technik aufgegeben wurde. Beide Varianten sind gleich effektiv. Die Ausleger bzw. Dollen werden deshalb 0,5–1,5 cm unterschiedlich geriggert, also in der Regel Backbord ca.1 cm tiefer als Steuerbord. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, die Hände komplett übereinander zu führen (amerikanische Methode). Hierzu müssen die Ausleger des Bootes aber deutlich unterschiedlich hoch angebracht werden.

Die Armbeugung beginnt kurz bevor die Hände die Knie passieren. Die Beinstreckung wird erst nach der Dolle abgeschlossen.

Sobald der Beinstoß beendet ist, lehnt sich der Körper in die Rücklage (auch Rückenlage), also etwa 30° (von der Senkrechten aus) nach hinten. Die Arme beschleunigen den Zug, der endet, wenn die Hände den Körper berühren. Die Innenhebelgeschwindigkeit im Endzug muss der Schlagfrequenz und Bootsgeschwindigkeit entsprechen. Dann werden die Blätter mittels Herunterdrücken der Hände senkrecht und spritzerfrei aus dem Wasser gehoben und abgedreht. Sobald die Blätter vom Wasser frei sind, beginnt das „Händeweg“. Der Oberkörper folgt unmittelbar der Heckwärtsbewegung der Innenhebel, so dass die Hände nicht zu weit vom Körper weggehen. Das fließende Vorführen der Innenhebel bei gleichzeitiger Mitnahme des Oberkörpers vollzieht sich in gleicher Geschwindigkeit wie das Heranführen des Innenhebels im Endzug. Dann zieht sich der Ruderer mit den Zehenspitzen am Stemmbrett nach vorne. Beim Vorführen der Innenhebel beginnt auf der Höhe des Stemmbrettes das Aufdrehen der Blätter, so dass sie in der Auslage wieder senkrecht stehen. Zur Auslage hin werden die Rudergriffe nach oben-vorne geführt – somit nähern sich die Ruderblätter dem Wasser und tauchen zur maximalen Auslage hin vollends darin ein (auch Setzen oder Wasserfassen genannt).

Bei der Gestaltung des gesamten Bewegungsablaufs ist ein flüssiger und harmonischer Ablauf, ein ineinander übergehender Verlauf der Bewegung besonders wichtig. Jede ruckartige Körper- und Extremitätenbewegung beeinflusst den Vortrieb und Durchlauf des Bootes negativ.

Riemen

Jeder Ruderer hat nur einen Riemen anstelle von zwei Skulls. Diesen bedient er mit beiden Händen. Im Unterschied zum Skullen dreht der Ruderer seinen Oberkörper beim Rollen in die Auslage mit in Richtung Ausleger, während seine Schulterachse parallel zum Riemen befindlich ist. Im Gegensatz zum Skullen kommen sich hier bei den meisten Ruderern Arme und angewinkelte Beine in der Auslage in die Quere, daher ist es üblich, das Außenbein (das Bein gegenüber dem Ausleger) etwas wegzustrecken. Riemen (ca. 378 cm, Innenhebel zwischen 112 cm und 120 cm) sind länger als Skulls und haben ein größeres Blatt.

Ruderboote

Bei den Sportruderbooten unterscheidet man zwischen Gigs, die vor allem im Breitensport benutzt werden und Rennruderbooten, die im Leistungssportbereich eingesetzt werden. Die Unterschiede liegen in der Bootsform, den zum Bau verwendeten Materialien und daraus resultierend im Gewicht. Gigs werden in A, B, C, D und E nach Breite und Bauweise (Klinkerbauweise oder Schalenbauweise) unterschieden. Des Weiteren unterscheidet man zwischen Skullbooten und Riemenbooten. Als besondere Ausprägung findet sich in der Ruderfamilie zusätzlich das Kutterpullen, vorwiegend bei der Marine zu finden und das aus dem Finnischen stammende Kirchbootrudern, das ähnlich wie bei einer Barke zwei nebeneinander sitzende Ruderer kennt.

Bei gewöhnlichen Ruderbooten sind die Dollen fest mit dem Bootsrumpf verbunden, während der Ruderer sich mit einem Rollsitz in der Längsrichtung des Bootes bewegen und somit seine Beinkraft zum Vortrieb nutzen kann. Eine andere Variante sind Rollauslegerboote, bei denen der Rudersitz starr mit dem Boot verbunden ist, dafür die Ausleger mit den Dollen über ein Schienensystem in der Längsrichtung des Bootes beweglich sind. Diese Variante hat den Vorteil, dass der Schwerpunkt des Bootes sich während der Ruderbewegung nicht so stark ändert. Rollauslegerboote sind nach anfänglichen Erfolgen in den Siebziger Jahren jedoch nicht mehr bei offiziellen Wettkämpfen zugelassen.

Bootsklassen

Die am häufigsten auftretenden Bootsklassen sind:

  • Einer (Skiff) (1x)
  • Doppelzweier ohne Steuermann (2x)
  • Zweier ohne Steuermann (2-)
  • Zweier mit Steuermann (2+)
  • Doppelvierer ohne Steuermann (4x)
  • Vierer ohne Steuermann (4-)
  • Vierer mit Steuermann (4+)
  • Achter mit Steuermann (8+)

Es gibt auch noch Sonderklassen, Beispiele hierfür sind:

  • Doppelvierundzwanziger – Ein Ruderboot für 24 Personen, eine nicht sehr bekannte aber doch existierende Bootsklasse
  • Hochzeitseiner – Dies ist ein gewöhnlicher Gigeiner mit Steuerplatz.
  • Doppelvierer mit Steuermann (4x+)
  • Doppelachter (8X) – Dies ist ein Achter, bei dem Skulls statt Riemen eingesetzt werden.
  • Doppeldreier – Ein auf die gleiche Art gebautes Ruderboot wie der Gigvierer jedoch mit nur drei Ruderplätzen und mit Steuermann/frau.
  • Barke – Ein Ruderboot für acht Ruderer, die in zwei Reihen á vier nebeneinander sitzen. Im Heck ist Platz für bis zu drei Personen, davon ein Steuermann. Hauptsächliche Nutzung für Wanderfahrten.

Die Mannschaft

In allen Booten sind alle Plätze im Boot vom Bug zum Heck durchnummeriert, das heißt der Bugmann sitzt immer auf Platz eins, der Schlagmann auf dem Platz mit der höchsten Nummer. In einigen Ländern (Frankreich) wird allerdings andersherum gezählt.

Neben diesen Plätzen haben bestimmte Mannschaftsmitglieder im Boot auch besondere Aufgaben:

Schlagmann

Der Schlagmann sitzt im Heck des Bootes, von der Mannschaft aus gesehen an der ersten Position. Er gibt die Schlagfrequenz vor, damit also die Zeitpunkte, zu denen die Skulls oder Riemen in das Wasser eingesetzt und herausgehoben werden. Die anderen Ruderer folgen seinen Bewegungen, damit möglichst gleichmäßig gerudert wird. Er hat damit auch die Aufgabe, eine möglichst konstante Schlagfrequenz zu halten und im Rennen den Start und die Spurts vorzugeben. Dabei ist für den Schlagmann ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, sowie ein Sinn für die Bootsbewegungen unabdingbar. In den meisten Riemenrennbooten ohne Steuermann kann der Schlagmann über ein Fußsteuer, bei dem ein Schuh beweglich am Stemmbrett befestigt und mit Seilen verbunden ist, das Steuer am Heck des Bootes bewegen und dieses damit steuern.

Bugmann

Der Bugmann sitzt im Bug des Bootes und hat vor allem die Aufgabe, auf andere Boote vor dem eigenen zu achten, damit es keine Unfälle gibt. In Booten ohne Steuermann muss er sich von Zeit zu Zeit herumdrehen, um dem Schlagmann (der in diesem Fall auch der Steuermann ist) gegebenenfalls mitzuteilen, in welche Richtung das Boot gelenkt werden muss. Kleinere Korrekturen der Fahrtrichtung in Skullbooten kann der Bugmann durch stärkeren Druck auf einem Skull auch selbst korrigieren, in Riemenbooten ist dies natürlich nicht möglich. In einigen Gigbooten ist der Bugmann gleichzeitig der Steuermann. Mit seinem beweglichen Stemmbrett, das über Seile mit dem Steuer am Heck verbunden ist, steuert er das Boot. In weiten Teilen Österreichs und in den südlichen Bundesländern Deutschlands wird der Bugmann auch als Bugsau bezeichnet. Dieser Spitzname hat sich über Jahrzehnte in vielen Vereinen eingebürgert, und soll auf die doppelte Rolle des Bugmanns (Ruderer und Aufsichtsperson), und die damit größere Arbeitsleistung während der Ausfahrt hinweisen.

Steuermann

Beim Rennrudern haben einige Bootsgattungen einen Steuermann. Dies sind:

  • Zweier mit Steuermann,
  • Vierer mit Steuermann,
  • Doppelvierer mit Steuermann (Breitensportbereich),
  • Achter (immer mit Steuermann, deshalb wird hier der Hinweis weggelassen).

Die Boote ohne Steuermann, manchmal falsch als ungesteuert bezeichnet, sind:

  • Einer (immer ohne Steuermann, daher auch hier kein Hinweis),
  • Zweier ohne Steuermann,
  • Doppelzweier (siehe Einer),
  • Vierer ohne Steuermann,
  • Doppelvierer (da mit Steuermann nur im Breitensportbereich eingesetzt, entfällt auch hier im Rennbereich der Zusatz).

Bei Gigbooten gibt es eine Vielzahl von Varianten. Manchmal wird auf stark strömenden Flüssen beim Zweier und Vierer auf den/die Steuermann/frau zugunsten eines weiteren Ruderers verzichtet.

Der Steuermann (Stm.) ist im Boot die einzige Person, die nicht rudert. Er liegt entweder im Bug des Bootes (normalerweise im Zweier mit, Doppelvierer und Vierer mit Steuermann, manchmal auch im Achter) oder er sitzt aufrecht im Heck (normalerweise im Achter, früher auch oft im Zweier mit, Doppelvierer und Vierer mit Steuermann). Vor allem für Zweier und Vierer verteilt sich durch den im Bug liegenden Steuermann das Gewicht der Mannschaft besser. Auch der Schwerpunkt der Mannschaft liegt tiefer, was sich positiv auf die Balance des Bootes auswirkt. Ebenfalls ist die Sicht des Steuermannes dadurch verbessert. Beim Achter hat sich der vorn liegende Steuermann nicht durchgesetzt. Da sich der Gewichtsverteilungsvorteil bei der Länge des Bootes nicht gravierend auswirkt, gibt man hier dem beim hinten sitzenden Stm. besseren Kontakt zum Schlagmann den Vorrang. Experimentiert wurde auch schon mit der Variante, den Steuermann in die Mitte des Bootes zu setzen. Dies konnte sich aber, vor allem wegen des technischen Aufwandes und der schlechten Sicht des Steuermannes, nicht durchsetzen.

Der Steuermann lenkt das Boot über eine Steuerleine, die einmal rund geführt ist. Jedes Ende ist an einer Seite des Steuers befestigt. Im Bug ist an der Steuerleine ein kurzer Hebel befestigt. Im Heck dagegen ist die Steuerleine auf beiden Seiten des Steuermannes entlanggeführt.

Nach den Richtlinien der FISA (franz. kurz für “Fédération Internationale des Sociétés d’Aviron” = Internationaler Ruderverband) muss der Steuermann vor dem Wettkampf ein Gewicht von minimal 55 Kilogramm auf die Waage bringen. Mit dieser Regelung wird ein „Wettrüsten der leichtesten Steuerleute“ vermieden. Dies hat aber nicht den Ausschluss von leichteren Steuerleuten zur Folge: Liegt ihr Gewicht unter dem geforderten Minimum, so wird dieser Gewichtsvorteil mittels Anlegen von Zusatzgewichten ausgeglichen.

Auf Regatten feuern Steuerleute ihre Mannschaft während des gesamten Rennens an, geben ihn die Kommandos für Zwischenspurts und liefern Informationen zum Renngeschehen. Dazu kann man eine Cox-Box (benannt nach dem englischen Wort für Steuermann: coxswain oder kurz cox) benutzen, diese ist mit einem oder mehreren Lautsprechern verbunden und zeigt dem Steuermann die Schlagzahl und die Zeit an. Meistens ist der Steuermann auch dafür zuständig, die Startnummer zu besorgen und darauf zu achten, dass die Mannschaft pünktlich ablegt. Von einem Steuermann kann unter Umständen ein ganzes Rennen abhängen. Gute Steuerleute sind daher sehr gefragt und werden bei einem Sieg auch mit einer Medaille ausgezeichnet. Traditionellerweise wird der Steuermann eines siegreichen Bootes nach Ende des Rennens von der Mannschaft ins Wasser geworfen.

In Riemenbooten ohne Steuermann (Zweier ohne und Vierer ohne) übernimmt das Steuern entweder der Schlag- oder der Bugmann. Hierfür ist vielfach ein Fußsteuer vorhanden, über das das Boot gelenkt werden kann (zu Trainingszwecken wird das Steuer im Zweier ohne oft auch ausgebaut, um so die Mannschaft zu veranlassen, sich besonders auf den Geradeauslauf des Bootes zu konzentrieren). In den kleineren Skullbooten (Einer, Doppelzweier) geht man davon aus, dass die Mannschaft ohne Steuer in der Lage ist, das Boot zu lenken. Lediglich im Doppelvierer findet man beim Skullen ein Steuer, allerdings wird dies, je nach Erfahrung der Mannschaft, auch weggelassen (siehe Zweier ohne). Auch das Trainingsgewässer eines Vereines entscheidet über den Einsatz des Steuers – trainiert eine Mannschaft ausschließlich auf einer geraden Strecke, wird gern auf ein Fußsteuer verzichtet.

Wanderrudern

Neben Regatten sind Wanderfahrten eine der Attraktionen des Ruderns. Wanderrudern bedeutet das Befahren von Strecken über 30 km. Es findet meist auf längeren Flüssen oder Kanälen sowie zumeist in den breiteren Gigbooten statt.

Im Gegensatz zu einem Tagestörn können bei Wanderfahrten in mehreren Etappen ganze Flussläufe bewältigt werden. Auf diese Weise kann man einen Flusslauf komplett von den ersten befahrbaren Ufern bis zur Mündung erkunden. Die Ruderer rudern pro Tag bis zu 100 km. Diese großen Tageskilometerleistungen entstehen auch durch das Ausnutzen der Strömungsgeschwindigkeit von Flüssen.

Zusätzlich zum sportlichen Aspekt haben sich die Wanderruderer mit Schifffahrtsverkehr auseinanderzusetzen. Auf viel befahrenen Flüssen müssen die Boote zusätzlich gegen Wellen gesichert werden. Auf Flüssen mit vielen Staustufen gehört das Befahren von Schleusen zur Etappe. Das Gepäck wird entweder im Boot verstaut oder mit einem Begleitfahrzeug transportiert.

Beim Wanderrudern ist man nicht auf eine Bootsposition festgelegt. Man kann sogar während der Fahrt die Bootspositionen wechseln. Die Nächte werden entweder im freien Gelände, auf Campingplätzen, in Hotels oder Herbergen, oft aber auch in am Wege liegenden Bootshäusern anderer Rudervereine verbracht.

Marathonrudern

Im Rudersport hat sich in den 70er Jahren eine neue Disziplin entwickelt, die statt „Marathon“ eigentlich „Super-Langstrecke“ heißen müsste – sind doch die Distanzen bei den eingeführten Regatten meist deutlich über 42 km lang. Die Regatta Tour du Lac rund um den Genfer See gilt immer noch als die härteste Herausforderung an die Mannschaften und das Material. Eine sehr extreme Herausforderung ist die alle zwei Jahre stattfindende Trans-Atlantik-Regatta. Die längste Marathonregatta in Deutschland, auf der innerhalb von 24 Stunden eine möglichst große Distanz bewältigt werden muss, findet jährlich in Berlin statt. Der dort aufgestellte Rekord von 268 km ist im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Außerdem findet seit 1981 alljährlich im August der vom Eckernförder Ruderclub initiierte Härtetest statt, bei dem die Strecke Schleswig-Eckernförde auf der Schlei und Ostsee (80 km) innerhalb von 12 Stunden zurückzulegen ist. Die Schwierigkeit liegt hier nicht nur in den 80 km, sondern auch in den Widrigkeiten der offenen See. Den Teilnehmern werden hierfür geschlossene Gig-Boote empfohlen.

Schülerrudern und Schulrudern

Beim Schulrudern handelt es sich um eine Form des Ruderns, bei dem eine Schule in der Form von Sportunterricht in den Sekundarstufen I und II oder in Arbeitsgemeinschaften das Rudern organisiert. Dies geschieht in der Regel in der Verantwortung eines Lehrers, der auch Protektor genannt wird. In Kooperationen mit traditionellen Rudervereinen kann die sportliche Verantwortung auch von den Übungsleitern und Trainern des Vereines mitgetragen werden.

Beim Schülerrudern werden die Schülerinnen und Schüler mehr mit in die Verantwortung einbezogen. Sie übernehmen die Ausbildung von Anfängern, betreuen Mannschaften beim Training und Wettkämpfen. Auch organisatorische Aufgaben für die am Bootshaus und am Bootsmaterial anfallenden Aufgaben werden übernommen. Dies ist die Zielrichtung, die von den Schülerrudervereinen, die über ihre Landesschülerruderverbände dem Bund Deutscher Schülerruderverbände angeschlossen sind, bevorzugt wird.

Es geht hierbei eben nicht nur um die sportlichen Erfolge, sondern auch um die erzieherischen Aufgaben, bei denen die Schüler lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen.

Rudern als Wettkampfsportart

Um sich mit anderen zu messen, treffen sich die Ruderer auf so genannten Regattastrecken.

Distanzen

Sprint

  • 350 m: Sprintstrecke, die in der Ruder-Bundesliga und auf den deutschen Sprintmeisterschaften gefahren wird
  • 500 m: Sprintstrecke, am häufigsten auf Regatten gefahrene Sprintstrecke

Normaldistanz

  • 1.000 m: Normale Distanz, Standardmittelstrecke für 13/14-jährige oder Jüngere (Kinder), sowie Männer, Frauen und Masters
  • 1.500 m: Normale Distanz, Standardmittelstrecke für 15/16-jährige (B-Junioren), sowie Männer, Frauen und Masters
  • 2.000 m: Olympische Distanz, Standardmittelstrecke für Ruderer ab 17 Jahren (A-Junioren)

Langstrecke

  • 3.000 m: Langstreckenrennen, Standardlangstrecke für 13/14-jährige und Jüngere (Kinder)
  • 5.000 m: Langstreckenrennen, seltene Distanz, gefahren z. B. beim Dresdner Elbepokal
  • 6.000 m: Langstreckenrennen, Standardlangstrecke für B-/A-Junioren und Senioren. Rennen gibt es z. B. in Dortmund (Zentrale Herbst-Langstrecke), Breisach, Mannheim, Mölln, Leipzig (Zentrale Frühjahrs-Langstrecke) und Erlangen
  • 6.800 m: Langstreckenrennen, das berühmte Boat Race zwischen den beiden Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge sowie das Head of the River Race, welche beide in London auf der Themse stattfinden.
  • 9.000 m: Armadacup, das berühmte Massenstartrennen auf dem Wohlensee bei Bern, bei dem bis zu 250 Skiffs gleichzeitig starten
  • 12.700 m: E.ON Hanse Cup, Achterrennen (international) auf dem Nord-Ostsee-Kanal von Breiholz bis zur Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg
  • 15.000 m: Rund um Wannsee, Achter und Vierer mit Steuermann mit Massenstart
  • 135 km: Weser-Marathon, Kanu- und Ruderboote aller Klassen von Hann. Münden nach Hameln
  • 160 km: Tour du Lac, Langstreckenrennen für Vierer mit Steuermann auf dem Genfersee, das wahrscheinlich härteste Langstreckenrennen weltweit. Der See wird einmal umrundet.

Altersklassen

Wettkämpfe werden für verschiedene Altersklassen ausgeschrieben:

  • Kinder (bis 14 Jahre, in Österreich heißt diese Altersklasse Schüler, in der Schweiz „Junioren C“ [Junioren C = 14 Jahre und Jünger]),
  • Junioren B (werden im laufenden Kalenderjahr 15 oder 16 Jahre alt),
  • Junioren A (werden im laufenden Kalenderjahr 17 oder 18 Jahre alt),
  • Senioren B (werden im laufenden Kalenderjahr 19–22 Jahre alt),
  • Senioren A (werden im laufenden Kalenderjahr mindestens 23 Jahre alt)
  • Masters (werden im laufenden Kalenderjahr mindestens 27 Jahre alt).

Mastersrudern

Das Rudern auf Regatten in der Masterskategorie beginnt für den Ruderer in dem Jahr in dem er/sie das 27. Lebensjahr vollendet (d. h. es wird, wie auch bei Versicherungen üblich, nur das Geburtsjahr berücksichtigt: 2010 ist 1983 der jüngste Jahrgang).

Es gibt folgende Altersklassen:

  • Masters A: Mindestalter Ruderer(in) 27 Jahre
  • Masters B: ab 36 Jahre, Mindestdurchschnittsalter (MDA) 36
  • Masters C: ab 43 Jahre, MDA 43
  • Masters D: ab 50 Jahre, MDA 50
  • Masters E: ab 55 Jahre, MDA 55
  • Masters F: ab 60 Jahre, MDA 60
  • Masters G: ab 65 Jahre, MDA 65
  • Masters H: ab 70 Jahre, MDA 70

Im Gegensatz zur Altersklasse Master A, in der jeder 27 oder älter sein muss, ist es in den anderen Masterklassen durch einen Altersausgleich auch möglich, jüngere Mastersruderer in der Klasse starten zu lassen (z. B. kann ein Masters-C-Zweier aus einem 60-jährigen und einem 28-jährigen Ruderer (Vater und Sohn) bestehen).

Eine Besonderheit betrifft auch die Steuerleute bei den Masters, hier dürfen weibliche Steuerleute Männerboote (und umgekehrt) steuern.

Gewichtsklassen

Die Altersklassen sind unterteilt in Leichtgewichte und Ruderer der Offenen Klasse (auch: Normalgewichte).

Für die Leichtgewichtsklassen gelten die folgenden Gewichtsobergrenzen:

  • Jungen, 12 Jahre: 45 kg
  • Mädchen, 12 Jahre: 45 kg
  • Jungen, 13 Jahre: 50 kg
  • Mädchen, 13 Jahre: 50 kg
  • Jungen, 14 Jahre: 55 kg
  • Mädchen, 14 Jahre: 52,5 kg
  • Junioren B (JM B): Mannschaftsdurchschnitt 62,5 kg, max. Einzelgew. 65,0 kg;
  • Juniorinnen B (JF B): Mannschaftsdurchschnitt 52,5 kg, max. Einzelgew. 55,0 kg;
  • Junioren A (JM A): Mannschaftsdurchschnitt 65,0 kg, max. Einzelgew. 67,5 kg;
  • Juniorinnen A (JF A): Mannschaftsdurchschnitt 55,0 kg, max. Einzelgew. 57,5 kg;
  • Männer (SM B, SM A): Mannschaftsdurchschnitt 70,0 kg, max. Einzelgew. 72,5 kg;
  • Frauen (SF B, SF A): Mannschaftsdurchschnitt 57,0 kg, max. Einzelgew. 59,0 kg)

Sportler in einem Mannschaftsboot, die das Mannschaftsdurchschnittsgewicht überschreiten, müssen durch ihre Mannschaftskameraden ausgeglichen werden. Keiner der Ruderer darf jedoch das maximale Einzelgewicht überschreiten (unabhängig von etwaigen Ausgleichsmöglichkeiten); folglich dürfen pro Person maximal 2,5 kg (Männer; JF C/B/A) bzw. 2,0 kg (Frauen) ausgeglichen werden. Das gültige Gewicht ist frühestens 2 Stunden bzw. spätestens 1 Stunde vor dem Rennen vorzuweisen.

Beispiel: Junior B Doppelzweier

  • Ruderer A wiegt 65 kg (ist also 2,5 kg über dem Mannschaftsdurchschnittsgewicht, aber unter/gleich max. Einzelgewicht)
  • Ruderer B wiegt 59 kg (ist also 3,5 kg leichter als das Mannschaftsdurchschnittsgewicht)

→ Ruderer B kann seinen Kameraden vollständig ausgleichen.

Außerdem muss der Steuermann bei Männern und Junioren mindestens 55 kg, bei Frauen und Juniorinnen mindestens 50 kg mit ins Boot bringen, wovon 10 kg durch Zusatzgewichte (Hantelscheiben, Sandsäcke oder Säcke mit kleinen Stahlkugeln) zustande kommen dürfen. Bei Kinderrennen gibt es für Steuerleute kein Mindestgewicht.

Olympisches Rudern

Rudern ist seit 1900 olympische Sportart (siehe Olympische Sommerspiele). Die für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen vorgesehenen Ruderwettbewerbe sind aus Witterungsgründen ausgefallen. Das erste Rennen im Einer ging über eine Distanz von 1750 Metern. Die Distanzen betrugen 1904 3219 m, 1908 2414 m und 1948 1883 m. Heute werden Wettkämpfe über eine Distanz von 2000 m gefahren. Derzeit werden 14 Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen durchgeführt.

Bei den Herren:

  • Einer
  • Doppelzweier
  • Doppelzweier (Leichtgewichte) – seit 1996
  • Zweier ohne Steuermann
  • Vierer-Typen:
    • Doppelvierer
    • Vierer ohne Steuermann
    • Vierer ohne Steuermann (Leichtgewichte) – seit 1996
  • Achter (mit Steuermann)

Bei den Damen:

  • Einer
  • Doppelzweier
  • Doppelzweier (Leichtgewichte) – seit 1996
  • Zweier ohne Steuerfrau
  • Doppelvierer ohne Steuerfrau
  • Achter (mit Steuerfrau)

Vom Weltruderverband (FISA) anerkannte Klassen von Rennruderbooten -3

  • Allein
    • Einer (1x): Eine Person rudert, hat sowohl links als auch rechts einen Skull.
  • Zu Zweit
    • Zweier ohne Steuermann (2-): Zwei Personen mit je einem Riemen, ohne Steuermann.
    • Zweier mit Steuermann (2+): Zwei Personen mit je einem Riemen und als dritte Person einen Steuermann. Kann vorne im Bug liegen oder im Heck sitzen.(Ab 2006 keine olympische Disziplin mehr)
    • Doppelzweier (2x): Zwei Personen mit einem Skull in jeder Hand.
  • Zu Viert
    • Vierer ohne Steuermann (4-): Vier Personen mit je einem Riemen, ohne Steuermann.
    • Vierer mit Steuermann (4+): Vier Personen mit je einem Riemen und als fünfte Person einen Steuermann. Kann im Bug des Bootes liegen oder im Heck sitzen.
    • Doppelvierer (4x-): Vier Personen mit je einem Paar Skulls. Einen Steuermann gibt es hier nicht.
  • Zu Acht
    • Achter (8+): Acht Personen mit einem Riemen und einem Steuermann. Ist die schnellste Bootsklasse

Es gibt noch andere Bootsklassen (sogar einen Einer mit Steuermann), die aber im Hochleistungssport keine Rolle spielen. Bei Breitensportregatten und im Juniorenbereich wird zum Beispiel recht häufig der Doppelvierer mit Steuermann gefahren, ebenso gibt es mitunter einen Doppelachter.

Weltbestzeiten im Rudern

Es gab bis ca. Mitte der 1950er Jahre auch Weltrekorde in den olympischen Ruderdisziplinen. Die Wettkampfzeiten sind jedoch extrem stark von Bedingungen abhängig, die nichts mit dem Leistungsvermögen der Athleten zu tun haben wie: Wind, Wassertiefe, -temperatur und -qualität, Strömung, Unterströmung und Wellen. Aufgrund dieser starken Abhängigkeit von äußeren Einflüssen werden heute keine offiziellen Weltrekorde mehr geführt. Allerdings gibt es inoffizielle Rekorde auf Regattastrecken und bei den Weltmeisterschaften werden auch weiterhin die Weltbestzeiten im Programm aufgeführt. Dementsprechend gibt es einen Bedarf an Vergleichsmaßstäben. Auf der Weltmeisterschaft in Gifu, Japan, 2005, fielen die Rekorde reihenweise, wurden dann aber von der FISA nicht anerkannt, da die Strömung deutlich zu stark war um einen halbwegs vernünftigen Vergleich zu erlauben. Daraus ergibt sich eine faktische Anerkennung der übrigen Weltbestzeiten durch den Weltverband, wobei jedoch die oben beschriebenen Einschränkungen zu beachten sind. Weltbestzeiten sind zwar nur erreichbar unter der Voraussetzung günstiger Witterungsverhältnisse (insb. kontinuierlicher Mitwind etwa 3 bis 7 m/s, keine erheblich störenden Wellen, warmes Wasser ab ca. 19/20°). Entscheidend sind aber die absoluten Welt-Spitzenleistungen. Ohne absolute Spitzenleistung wird kein Ruderer bei noch so kräftigem Schiebewind eine Weltbestzeit erreichen. Bei sehr kräftigem Schiebewind wird ohnehin durch die dann erheblich störenden Wellen keine Weltbestzeit möglich sein, so dass ein Windstärke-Limit nicht erforderlich ist.

Weltmeisterschaften

Weltmeisterschaften im Rudern finden in den nichtolympischen Jahren sowie in den nichtolympischen Bootsklassen zusätzlich auch in den olympischen Jahren statt. Die Weltmeisterschaft der unter 23-jährigen wird im Regelwerk der FISA erst seit 2005 als „echte“ WM geführt. Eine detaillierte Aufstellung der Weltmeisterschaften findet sich im Artikel Ruderweltmeisterschaften.

Europameisterschaften

Seit 2007 werden nach über dreißigjähriger Pause auch wieder Rudereuropameisterschaften ausgetragen. Die ersten europäischen Rudermeisterschaften fanden bereits 1893 statt und wurden seitdem bis 1973 jährlich mit nur kleinen Unterbrechungen während der Weltkriege durchgeführt.

Rudern und Gesundheit

Rudern kann ab einem Alter von ca. acht Jahren (entscheidend ist hier vor allem die Körpergröße; Wettkampfrudern ist ab einem Alter von zehn Jahren möglich) bis ins hohe Alter betrieben werden. Als eine von wenigen Sportarten wirkt sich Rudern auf alle Hauptmuskelgruppen positiv aus und ist dazu äußerst kreislauffördernd. Beim Sportrudern wird über einen Rollsitz auch die Beinmuskulatur (70 %) eingesetzt. Verletzungen sind selten, nach Untersuchungen von Krankenkassen zählt Rudern zu den gesündesten und ungefährlichsten Sportarten.

Dennoch sind auch Fälle bekannt, bei denen Ruderer nach Unfällen im Wasser ertrunken sind. Gefahr besteht in der Kaltwassersaison, die in Mitteleuropa etwa neun Monate dauert. Gefährlich sind Flüsse mit starker Strömung, aber auch Seen im Zusammenspiel mit den Wetterbedingungen. Auf Gewässern, die für den Schiffsverkehr genutzt werden, kann es zu Kollisionen und Unfällen kommen. So starb am 31. Mai 2006 in Windorf bei Passau ein 46-jähriger Ruderer in der Donau, nachdem sein Boot durch die Bugwelle eines Frachtkahns vollgeschlagen war.

Durch falsche Technik wie Rudern mit starker Kyphose oder Lordose im Durchzug können allerdings gesundheitliche Schädigungen auftreten. Zudem kommt es bei regelmäßigem Rudern durch die Scherbelastung der Haut an den Rudergriffen zu einer vermehrten Blasen- und Hornhautbildung an den Händen des Ruderers.

Wie in allen Sportarten mit Gewichtsbegrenzung kann es im Leichtgewichtsrudern bei dem Versuch, das Zielgewicht krampfhaft zu erreichen, zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen. Zuletzt starb ein erwachsener Leichtgewichtsruderer durch übermäßiges Abkochen vor seinem Wiegetermin in Oberschleißheim am 4. Juni 2000. Er war mit einem neoprenähnlichen „Ruderanzug“ und mehreren Wollpullovern bekleidet, bei Temperaturen über 30 °C mehrere Kilometer gelaufen, bevor er zusammenbrach und später im Krankenhaus starb. Bei den Kinderruderern liegt die Gewichtsgrenze je nach Alter und Geschlecht zwischen 45 kg und 55 kg, darüber ist man Normalgewicht; bei den B-Junioren ist die Grenze 62,5 kg (zu erreichendes Mannschaftsdurchschnittsgewicht, Höchstgewicht eines Ruderers 65 kg; andere altersbezogene Gewichtsklassen siehe 8.3 Gewichtsklassen).

Auch wird das Ruderergometer als Gerät zum Fitness und Ausdauertraining immer beliebter.

Quelle: Wikipedia "Rudern"