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Windsurfen


Windsurfen (früher auch Brettsegeln oder Stehsegeln genannt) ist eine Wassersportart, bei der man, auf einem Surfbrett stehend, ein Segel zur Fortbewegung nutzt. Das Segel ist freibeweglich (drehbar und kippbar) mit dem Brett verbunden, was spektakuläre Manöver und Tricks ermöglicht. Die in den USA entwickelte Sportart wurde zur Trendsportart und hat sich weltweit etabliert.

Entwicklung des Windsurfens

Erfindung

Das Windsurfen ist aus dem Wellenreiten entstanden: Die Nutzung der Kraft des Windes ermöglichte es, sich das mühsame Paddeln gegen die Wellen zu ersparen. Im November 1964 zeichnete Newman Darby sein Darby Sailboard und veröffentlichte in Popular Science, das in einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren in den USA erschien, eine bebilderte Selbstbauanleitung für sein Segelbrett. Er verwendete dabei ein Segel ähnlich einem Kinderdrachen, bei dem ein Mast beweglich mit dem Surfboard verbunden war und eine horizontale Spiere zum Halten des Segels diente. Newman Darby baute mehrere dieser Sailboards und es existieren Filme über seine Probefahrten.

Der Amerikaner Jim Drake, Ingenieur des US-Verteidigungsministeriums, versah ein Surfboard mit einem Segel, um das lästige Paddeln durch die Wellen zu vermeiden und entwickelte dazu das Bauprinzip des Windsurfers mit „Paar gekrümmter Bäume, welche querab zur Spiere verlaufen und zwischen sich das Segel haltern“, wie der Gabelbaum umschrieben wird.[1] Finanziert wurde das Projekt von seinem damaligen Freund Hoyle Schweitzer, mit dem gemeinsam er 1969 ein Patent bei dem US-amerikanischen Patentamt United States Patent and Trademark Office (USPTO) anmeldete. Drake startete in der Jamaica Bay in New York am 21. Mai 1967 zum ersten Mal seinen Windsurfer „Old Yeller“. Vor ihm hatte der Engländer Peter Chilvers mit der Idee gespielt, ein Surfbrett mit einem Segel zu verbinden. Jedoch hatte Drake schließlich die entscheidende Idee, das Segel mit einem Gabelbaum zu spannen und moderne Materialien für Brett, Mast und Segel einzusetzen. Am 6. Januar 1970 wurde dem Patentantrag „für ein windbetriebenes Fahrzeug“ (US-Patent Nr. 3487800) vom USPTO stattgegeben.

Hoyle Schweitzer erkannte die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Windsurfens und trieb die Entwicklung weiter voran. Zusammen mit seiner Frau Diana gründete er das Unternehmen Windsurfing International Inc. und übernahm 1973 auch Drakes Anteile an den Patentrechten. Ein Jahr, nachdem Windsurfen erstmals olympische Disziplin geworden war, lief das Patent aus.

In Europa wurde das Patent in einem Verletzungsverfahren vor dem Münchner Patentgericht eingeschränkt. Ursprünglich hatten Schweitzer und Drake das Kardangelenk des Mastfußes und das Rigg (die Einheit aus Segel, Mast, Mastfuß und Gabelbaum) geschützt. Das Gericht würdigte aber die frühere Erfindung von Newman Darby, der bereits sein Segel beweglich mit dem Board verbunden hatte und beließ Schweitzer nur den Gabelbaum als Patentinhalt, da der Gabelbaum im Gegensatz zu dem kinderartigen Drachensegel von Darby mit nur einer Haltespire eine deutliche Verbesserung darstellte. Das beschnittene Patent mit dem Gabelbaum reichte aber aus, um praktisch in allen patentgeschützten Märkten Lizenzen eintreiben zu können.

Das heutige Windsurfen wurde also von drei Personen entwickelt: Newman Darby als eigentlicher Erfinder, Jim Drake als Erfinder des Gabelbaumes und Hoyle Schweitzer, der es als einziger verstand, Windsurfen zum weltweiten spektakulären Trendsport zu etablieren.

Weiterentwicklung

In den folgenden Jahren setzte parallel zu neuen Materialien und Innovationen eine starke Verbreitung der neuen Sportart ein. Wesentliche Meilensteine setzte „Windsurfing Hawaii“ in den Jahren 1976–1977 mit der Entwicklung des Trapezes zur Entlastung der Hände, Fußschlaufen für höhere Standfestigkeit auf dem Brett, leichten und agilen Brettern, die Sprünge ermöglichten, sowie mit kürzeren Gabelbäumen. Parallel zu diesen frühen Funboardaktivitäten in Hawaii hat sich Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Europa eine wachsende Gemeinde von Longboardenthusiasten gebildet. So konnten zum Beispiel das Ostermann Board, auf dem später (1984) um olympisches Gold gesegelt werden durfte oder auch der Mistral Competition, der mit 270.000 Exemplaren eines der meistverkauften Surfboards aller Zeiten wurde, dazu beitragen, dass in Europa Mitte der achtziger Jahre etwa 2,8 Millionen Surfer ihrem Sport frönten. Die Mutter aller Trendsportarten war damit geboren.

Windsurfer umgab das Image von Freiheit und Naturverbundenheit. Rund um das Windsurfen und seine Idole wurde in den 1980ern bis Mitte der 1990er Jahre ein regelrechter Kult betrieben. Der Surfertyp wurde mit hübschen Mädchen, eigener Mode und Lebenseinstellung in Verbindung gebracht. Die Trendsportart wurde bestens vermarktet und fand Anhänger in aller Welt. Eigene Magazine wie „Surf“ und „Stehsegelrevue“ verbreiten im deutschem Sprachraum die neuesten Trends und Informationen.

Umstellung auf das Kurzbrett

Diese Blütezeit des Surfens war als Massensport eine kurze, denn die einseitige Berichterstattung in den Fachmagazinen über die Kurzbrettszene (engl. Funboard), die 1980–1983 aus Hawaii nach Europa herüberschwappte, überforderte viele Longboardsurfer in Europa. Kaum einer wollte als „Stehsegler“ gelten, wenn andere über meterhohe Wellen sprangen. 1986 wurden in Deutschland noch 180.000 Surfboards verkauft. Seitdem ist die Zahl bis zum heutigen Tag konstant rückläufig. 2005 gingen in Deutschland gerade einmal 9.000 Surfboards über den Ladentisch. Damals wie heute erlernen etwa 40.000–50.000 Menschen das Windsurfen (belegt durch den VDWS, Verband der deutschen Windsurfing Schulen), allerdings mit dem dramatischen Unterschied, dass in den achtziger Jahren praktisch alle Neueinsteiger „on Board“ blieben, während heute 95 Prozent der Anfänger nach dem Erwerb des „Windsurfing Grundscheines“ diesen Sport wieder aufgeben. Das passiert in keinem anderen Sport.

Dies wird von Kritikern als Signal an die Industrie verstanden, wieder Surfbretter zu konzipieren, die von der breiten Masse gewünscht werden bzw. dieser verhilft beim Sport zu bleiben. Handel und Hersteller halten dem entgegen, dass Anfängermodelle verfügbar sind aber kaum Absatz finden, da jeder Sportler so rasch wie möglich auf die kurzen, leichten und agilen Bretter umsteigt. Diese sind jedoch deutlich schwerer zu handhaben als die früheren Longboards, es dauert wesentlich länger und die athletischen Voraussetzungen sind deutlich höher, um damit richtig surfen zu können. Außerdem ist auch mehr Wind erforderlich, um die Leistungsfähigkeit des Kurzbretts auszuschöpfen. Das alles hat dazu geführt, dass weniger athletische beziehungsweise weniger geduldige Surfer den Sport wieder aufgaben.

Gleichzeitig verdankt der Sport dem Funboard eine atemberaubende Akrobatik und völlig neue Fahrtechniken wie die Faszination des „Gleitens“ und die Beherrschung der Welle.

Höchstleistungen

Üblicherweise gleiten Surfbretter mit 30 bis 45 Kilometer pro Stunde über das Wasser. Die Rekordgeschwindigkeiten über 80 km/h werden nur bei Sturmstärken auf sehr glattem Wasser mit speziellen, ca. 25 cm breiten Surfbrettern (sogenannten Speedneedles) erreicht. Die Kurzstrecken-Weltrekorde werden in der Regel auf einer künstlichen Wasserfläche am Strand von Saintes-Maries-de-la-Mer in der französischen Camargue aufgestellt; dort wurde eigens ein 1.100 m langer und 15 m breiter Kanal (le canal, auch French Trench) angelegt, um auch bei hohen Windgeschwindigkeiten die – Geschwindigkeit reduzierende – Wellenbildung auf dem Wasser fast vollständig zu verhindern.

Der absolute Geschwindigkeitsrekord wird seit dem 6. März 2008 mit 49,09 Knoten (90,9 km/h) vom Franzosen Antoine Albeau gehalten. Im Oktober 2004 holte der Ire Finian Maynard den Weltrekord für segelgetriebene Wasserfahrzeuge über 500 m vom Trimaran Yellow Pages Endeavour zu den Surfern. Am 10. April 2005 verbesserte er seinen Rekord noch auf 48,7 Knoten (90,2 km/h), was vom World Sailing Speed Record Council am 11. April 2005 ratifiziert wurde. Der schnellste Segler ist auf diese Strecke der Trimaran L'Hydroptère mit 44,81 Knoten; anders als die Surfer segelt die Hydroptère ihre Rekorde allerdings nicht auf einem künstlichen, optimierten Gewässer, sondern in Küstengewässern mit natürlichen Wellen.

Den Weltrekord für segelgetriebene Wasserfahrzeuge über eine Seemeile (1852 m) hielt ab dem 15. Oktober mit 39,97 Knoten ebenfalls Maynard. Am 31. Oktober 2006 übernahm der vorherige Weltrekordler Bjørn Dunkerbeck mit 41,14 Knoten wiederum den Rekord. Am 24. April 2007 brachte der Trimaran L'Hydroptère mit 41,69 Knoten pro Seemeile den Rekord jedoch wieder zu den Seglern.
Seit dem 28. Oktober 2010 gilt der Kite-Surfer Rob Douglas (USA) als neuer Weltrekordhalter. Während der Lüderitz Speed Challenge (Namibia) fuhr er 55,65 Knoten, das sind 103,06 km/h.

Die Entwicklung der Tricks beim Windsurfen geht ebenfalls weiter. Doppelte Loopings und doppelte Drehungen sind heute Standardmanöver, jährlich werden neue Manöver entwickelt.

Ableger

Aus dem Windsurfen und dem Wakeboarding ist das Kitesurfen entstanden. Es ist seit etwa 2001 in Mitteleuropa verbreitet und wurde um 1995 in den USA erfunden. Dabei wird das Segel durch einen großen Lenkdrachen ersetzt. Die Surfbretter zum Kiten, die sogenannten Kiteboards, sind viel kleiner und haben kaum Auftrieb. Sie gleichen am ehesten den Wakeboards beim Wasserskilaufen.

Windsurfen heute

Im neuen Jahrtausend ist der Medienrummel um die Sportart geschwunden. Einerseits haben die Kitesurfer den Surfern beim Publikum den Rang abgelaufen, andererseits ist Windsurfen kein für Zuschauer sehr geeigneter Sport. Die Abhängigkeit von Wind und Wetter macht Live-Übertragungen im Fernsehen kaum planbar und die Zuschauer vor Ort bekommen am Strand oftmals nicht viel von dem mit, was draußen auf dem Wasser passiert. Zudem gehört Windsurfen zu den nur schwer zu erlernenden Sportarten, was die Anzahl der Ausübenden in Grenzen hält und mit verhindert, dass Windsurfen zum Massensport wird. Windsurfen ist kein Hobby, das man so nebenbei erlernt, wie z. B. Radfahren oder Laufen. Insbesondere die perfekte Beherrschung moderner Surfbretter ist im Gegensatz zum Windsurfen mit den Schulungsbrettern nur schwer zu erlernen.

Ein Breitensport und Funsport ist Windsurfen aber längst geworden. Quer durch alle Berufs- und Altersgruppen – vom 10-jährigen Schüler bis zum 75-jährigen Rentner – haben sich an den Surfspots Gemeinschaften entwickelt. Jedoch fällt auf, dass der Sport zu gut 90 Prozent von Männern betrieben wird.

In Deutschland hat Peter Raatz im Jahre 1972 den heute ältesten Windsurfingverein der Welt gegründet (WSeV Berlin). Dieser Verein etablierte Windsurfen als eine Segeldisziplin in Regattasport. Zweimal (1984 und 1988) stellte der Verein den deutschen Teilnehmer bei den Olympischen Sommerspielen.

Material und Zubehör

Surfbrett

Das Sportgerät besteht aus einem stromlinienförmigen Schwimmkörper, dem Surfbrett, dessen Volumen sich nach dem Können und Gewicht des Sportlers richtet. Da kleinere Bretter weniger kippstabil, voluminösere dagegen weniger wendig sind, liegt das Volumen der Surfbretter meist zwischen 65 und etwa 150 Litern und wird je nach Einsatzzweck ausgewählt. Die Brettlänge liegt dabei zwischen 2,2 und 2,80 Metern, bei einer Breite von 48 bis 101 cm[3]. Für ungeübte Sportler sollte das Surfbrett möglichst viel Volumen und damit Auftrieb haben, um besonders kippstabil zu sein.

Die Variationen der Brettformen ist seit den Anfängen um 1975 stark angestiegen – für fast jedes denkbare Einsatzgebiet wurden Bretter entwickelt. Bis Mitte der 1980er waren die Verdränger-Typen mit etwa 20 kg Gewicht und teilweise einem Kiel, ansonsten mit einem Schwert, verbreitet. Diese wurden schnell von kleinen, gleitfähigen Typen abgelöst, die nur noch etwa 7 kg Gewicht haben. Bei der Produktion haben auch hier leichte und sehr steife Materialien wie Carbon (Kohlefaser) oder Verbundstoffe wie Carbon-Kevlar Einzug gehalten.

Die bekanntesten Hersteller sind AHD, F2, Fanatic, Hifly, JP Australia, Mistral, Naish, Starboard, Tabou und Tiga. Allerdings werden fast alle Serienbretter in einem Werk der Firma Cobra in Thailand hergestellt, die übrigen häufig in Vietnam oder Tunesien.

Rigg/Segel

Der Mastfuß am Surfbrett ist über eine freibewegliche Verbindung – den Powerjoint – mit dem Rigg verbunden. Das Rigg besteht aus einen biegefähigen Mast, einem Gabelbaum zum Festhalten und dem Segel.

Der Mast besteht aus glasfaserverstärkten Kunststoffen und kann zur Gewichtsersparnis mit Carbon verstärkt sein. Die Kennzahl IMCS („Indexed Mast Check System“) des Mastes bezeichnet die Masthärte und -steifigkeit und muss auf die Vorgabe des Segelherstellers abgestimmt sein. Je niedriger der Wert ist, desto weicher ist der Mast. Je nach Segel werden meist Masten von 360 cm bis 580 cm Länge verwendet. Auch der Durchmesser der Maste ist normiert.

Neben dem Standardmaß gibt es seit etwa 2000 deutlich dünnere Masten, die als „Skinny“, „Reduced Diameter Mast“ (Mast mit reduziertem Durchmesser; kurz RDM) oder „Needle-Masten“ bezeichnet werden.

Bei gleicher Steifigkeit und damit gleichem Flächenträgheitsmoment erfordert der kleinere Durchmesser eine größere Wandstärke des Masts. Dadurch ergibt sich mehr Material und auch mehr Gewicht für den „Skinny“.

Beispiel:

  • „Skinny“: Mast GUN Select Wave RDM 2008: 430cm, 100% Carbon, IMCS 21, Gewicht: 1850g
  • normaler Mast: Mast GUN Select 2008: 430cm, 100% Carbon, IMCS 21, Gewicht: 1480g

Der Vorteil eines RDM-Masts liegt in der besseren Anströmung des Segels. Viele Windsurfer schätzen auch das bessere „Flexverhalten“ bei Freestylemanövern. Auch beim RDM-Mast muss je nach Segel der passende Durchmesser gewählt werden.

Der Gabelbaum besteht aus Aluminium- oder Carbonholmen und dient zum Aufspannen des Segels und als Haltegriff für den Sportler. Die Länge des Gabelbaumes ist verstell- und arretierbar, um das Segel optimal abstimmen zu können.

Ein modernes Windsurfsegel besteht aus Monofilm (durchsichtige PVC-Folie), Dacron (gewebtes Polyester) und Mylar. Sensible Teile werden mit Kevlar-Gewebe verstärkt. Außerdem haben die Segel mehrere durchgehende Segellatten zur Stabilisierung des Segelprofils. Die Segelfläche liegt zwischen 1,5 m² (für Kinder) und über 12,5 m² für leistungsorientierte Surfer und richtet sich nach dem Körpergewicht, dem Können und maßgeblich der Windstärke. Aktuell unterscheidet man zwei Ausführungen:

  • Camber-Segel (englisch für Biegung, Krümmung). Diese Segel haben 1 bis 5 Kunststoffteile an den Enden der Segellatten („Camber“), die sich an den Mast anschmiegen. Sie sorgen für ein starres Tragflächenprofil des Segels, das für Geschwindigkeit und Stabilität sorgt. Das geht aber zu Lasten der Manövrierbarkeit und der Handhabbarkeit des Segels. Aktuell werden Camber-Segel fast ausschließlich in größeren Segeln für Wettkämpfe eingesetzt. Die Starrheit des Segels wird außerdem durch die Anzahl an Segellatten bestimmt.

  • RAF-Segel („Rotating Asymmetric Foil“) haben Segellatten, die über die Rückseite des Mastes hinaus ragen. Sie müssen bei Wenden oder Halsen auf die andere Seite des Mastes schnappen. RAF-Segel erhalten durch den Druck des Windes ein Tragflächenprofil auf der Lee-Seite. Sie können ohne Wind oder abgeriggt absolut flach sein. Diese Eigenschaft wird beim „Freestyle“ und „Waveriding“ geschätzt.

Im Vergleich zu Camber-Segeln liefern RAF-Designs weniger Vortrieb und Stabilität, dafür sind sie in Manövern einfacher zu handhaben. Außerdem sind RAF-Segel einfacher zu aufzuriggen.

Die bekanntesten Hersteller für Segel und Riggkomponenten sind Ezzy, Gaastra, Naish Sails, Neilpryde, North Sails, Gun Sails, Severne, Hot Sails Maui und Simmer Style.

Windsurfen lernen

Problemstellung

Die Schwierigkeit beim Windsurfen besteht hauptsächlich in der Fähigkeit, das Gleichgewicht des eigenen Körpers mit der Segelstellung zum Wind zu kontrollieren. In Surfschulen kann man heute das Windsurfen in entsprechenden Kursen bereits in 10–12 Stunden erlernen. Dies wird durch besonderes Anfängermaterial ermöglicht. So bieten Bretter für Anfänger heute ein hohes Maß an Kippstabilität, was es dem Schüler einfacher macht, sich auf die Segelsteuerung zu konzentrieren.

Für einen Anfänger ist ein Brett mit Schwert die bessere Wahl, da es für bessere Kippstabilität sorgt und einem Abtreiben zur windabgewandten Seite entgegenwirkt. Bei kleineren Brettern findet man nur noch die Finne vor, da das Schwert beim Gleiten stört und die Geschwindigkeit verringert. Erfahrenere Windsurfer wählen meist ein möglichst kleines Surfbrett mit weniger Auftrieb, da dieses eine höhere Drehfreudigkeit aufweist. Dabei kann der Auftrieb geringer als das Gewicht des Sportlers sein, so dass das Brett erst beim Fahren durch den dynamischen Auftrieb an die Wasseroberfläche gehoben wird und auf dieser gleitet. Solche kleinen Bretter werden auch als Sinker bezeichnet. Verständlicherweise ist ein Aufholen des Segels durch das Startschot bei Sinkern nicht mehr möglich, deshalb muss man auf diesen kleinen Brettern den Wasserstart beherrschen (siehe Kapitel Starttechnik).

Fahrtechnik

Die grundlegenden Techniken des Windsurfens werden in Surfschulen bereits in wenigen Tagen vermittelt, sodass ein Anfängerbrett sicher bei leichtem Wind gesteuert werden kann. Die richtige Verwendung von Fußschlaufen und Trapez kann in Fortgeschrittenenkursen erlernt werden und gestaltet sich schon zeitaufwendiger. Die höchste Könnensstufe wird durch die Beherrschung des Kurzbrettes erreicht.

Richtungsänderung

Um die Fahrtrichtung zu beeinflussen, wird das Segel nach vorne oder hinten geneigt. Beim nach vorne Neigen (Abfallen) dreht sich der Bug vom Wind weg und umgekehrt beim nach hinten Neigen (Anluven) des Segels in den Wind hinein. Bei mittlerer Stellung des Segels (weder nach vorne oder nach hinten geneigt), befindet sich der Druckpunkt des Segels über dem Druckpunkt des Schwertes, wie es Einsteiger-Boards aufweisen. Wird nun das Segel nach vorne geneigt, wandert der Druckpunkt (Windkraft) des Segels vor den Druckpunkt des Schwertes (Wasserwiderstand) und die Windkraft bewirkt eine Drehung des Surfbrettes mit der Spitze vom Wind weg. Dagegen wird bei einer Neigung des Segels nach hinten der Druckpunkt des Segels hinter den Druckpunkt des Schwertes verschoben und das Surfbrett dreht mit der Nase gegen den Wind. Die Neigung des Mastbaumes zusammen mit dem Segel ist möglich, da er mit einem Gelenk (dem sogenannten Powerjoint) auf dem Brett befestigt ist. Diese Möglichkeit – den Mast zu neigen – unterscheidet das Surfbrett vom normalen Segelboot. Dagegen hat das normale Segelboot ein Ruder zur Steuerung.

Bei höheren Geschwindigkeiten, wenn das Board Gleitfahrt hat, wird die Fahrtrichtung fast ausschließlich über das Ankippen des Brettes mit den Füßen gesteuert. Durch tieferes Eintauchen der belasteten Brettseite erhöht sich auf dieser der Strömungswiderstand während er sich auf der gegenüberliegenden Seite verringert. Durch diesen Bremseffekt dreht sich das Surfbrett in die gewünscht Richtung. Vor allem in der Welle entstehen damit spektakuläre Manöver wie der cut back.

Gabelbaum, Trapez und Fußschlaufen

Surfer verringern die Beanspruchung der Arme beim Halten des Segels am Gabelbaum durch ein Trapez. Dabei handelt es sich entweder um einen kompakten Hüftgürtel oder eine Art Sitzhalterung, an denen vorne ein Metallhaken befestigt ist. Dieser unten offene Trapezhaken wird in ein kurzes Seil – den Trapeztampen – eingehängt, welcher am Gabelbaum befestigt ist und den größten Teil der Zugkraft des Windes aufnimmt. Zum Aushaken des Trapeztampens wird der Gabelbaum kurz zum Körper gezogen, sodass der Tampen aus dem Haken herausfällt. Die Hände am Gabelbaum werden, bei richtigem Trimm, nur noch für Korrekturen und im Manöver beansprucht. Und um einen festen Stand zu gewährleisten, befinden sich am Heck des Brettes drei bis sechs fest verschraubte Fußschlaufen aus weichem Material in die die Füße bis zum Rist gesteckt werden.

Der Surfer ist so mit den Händen, mit der Hüfte und mit den Füßen mit dem Sportgerät verbunden und kann eine stabile und relativ kräfteschonende Lage einnehmen.

Starttechnik

Das Brett sollte zum Starten in Lee und idealerweise auf Halbwindkurs liegen, um den Segeldruck möglichst leicht kontrollieren zu können. Als Anfänger übt man zunächst den Schotstart, wobei auf dem Brett stehend das Rigg mit einem dicken (griffigen) Kunststoff-Seil, der Startschot, aus dem Wasser gezogen wird. In einer koordinierten Abfolge von Ergreifen und Stellen des Mastes, Ergreifen und Heranziehen des Gabelbaumes und Gewichtsverlagerung durch Änderung der Fußposition, alles in Abhängigkeit von der Windstärke, beginnt die Vorwärtsbewegung des Brettes. Als Nachfolgetechnik wird der Beachstart gelehrt. Hierbei wird das Rigg in Fahrtstellung gehalten und das Surfbrett aus knie- bis hüfttiefem Wasser von Luv her in Richtung Mastfuß bestiegen. Je tiefer das Wasser ist, umso mehr Wind wird benötigt, um sich vom Wind auf das Brett ziehen zu lassen.

Als fortgeschrittene (und bei Sinkern allein mögliche) Startmethode lernt man den Wasserstart. In der Regel ist hier entsprechend mehr Wind als beim Beachstart notwendig, geübte Windsurfer beherrschen den Wasserstart jedoch auch bei Windstärken, die gerade ausreichen, um das Rigg aus dem Wasser zu heben. Das Ausrichten des Brettes und Segels muss beim Wasserstart schwimmend geschehen. Stimmt die Position, kann man durch Andrehen des Riggs Wind fangen, setzt zuerst den hinteren Fuß auf das Brett, verlagert das Körpergewicht möglichst weitgehend auf den Mastfuß und lässt sich vom Segel aus dem Wasser ziehen. Bei wenig Wind wird das Rigg möglichst senkrecht aufgestellt und der Surfer zieht sich in einer Art Klimmzug hoch, bei höheren Windstärken ist das Verlagern des Körpergewichtes vom Mastfuß weg erforderlich.

Während man nun Fahrt aufnimt, wird der Trapezhaken eingehängt und erst der vordere, dann der hintere Fuß in die Schlaufen gestellt.
Es kann beim Wasserstart hilfreich sein, wenn man das Segel mit dem Gabelbaum auf das Heck des Brettes legt, da es dann leichter gegen den Wind aus dem Wasser zu heben ist. Bei moderneren Brettern ist der Mastfuß jedoch meist so weit hinten platziert, dass man den Gabelbaum höchstens auf den Unterarm legen kann, während die Hand das Heck des Brettes ergreift.

Manöver

Als erste zu erlernende Manöver gelten die Wende und die Halse – die meisten Windsurfer geben sich dann mit diesem Niveau voll und ganz zufrieden. Um die Windsurfmanöver der Freestyler oder Profis zu erlernen, ist reichlich Übung und eine gewisse Begabung notwendig.
Die Manöver, von Surfern Moves genannt, werden in folgende Kategorien unterteilt:

  • Grundmanöver (Basics), die für den Start und für Kurswechsel erforderlich sind.

  • Old School sind Freestyle-Manöver, die bis Anfang der 1990er Jahre erfunden wurden. Das sind spektakuläre Loopings und gesprungene Tricks.

  • New School sind die mehr artistischen Freestyle-Manöver; dabei rotieren Mensch und/oder Material nahe der Wasseroberfläche.

  • Außerdem gibt es viele Manöver, die nur in der Welle möglich sind, wie der Cut Back, Double front Loop oder der One-handed Tabletop off the lip.

Trimm für Manöver

Damit die Komponenten des Sportgerätes optimal funktionieren, kommt dem Trimm eine besondere Bedeutung zu. Dazu gibt es im Wesentlichen folgende Einstellmöglichkeiten:

  1. Die Position der Fußschlaufen wird auf Körpergröße und Gewicht des Sportlers abgestimmt. Racer stehen aber weiter hinten und außen als Freestyler.

  2. Die Form und Position der Finne beeinflusst Drehfreudigkeit und Höchstgeschwindigkeit.

  3. Die Position des Mastfußes wird in der Mastspur ungefähr in der Mitte des Surfbrettes verstellt. Je größer das Segel, desto weiter muss der Mastfuß nach vorne justiert werden, um ein Anluven zu verhindern.

  4. Am Schothorn wird mittels Tampen das Segel so gespannt, dass die Segellatten ihre vom Hersteller vorgesehene Position zum Mast einnehmen können. Hier wird meist ein Kompromiss zwischen bauchig und zugstark gegenüber flach und stabil angestrebt.

  5. Das Vorliek wird zum Mastfuß über Tampen gespannt und biegt den Mast soweit, wie vom Segel-Hersteller vorgegeben wird. Dabei soll der oberste, achterne Teil des Segels in Falten liegen, damit das Segel Windböen absorbieren kann. Der Fachbegriff dazu ist loose leech, was soviel wie „loses Segeltopp“ bedeutet.

  6. Die Spannung der Segellatten schließlich bestimmt das Tragflächenprofil des Segels und somit Stabilität und Vortrieb.

  7. Die Position der Trapeztampen am Gabelbaum und die Position des Gabelbaumes am Mast bestimmen den Hebel, mit dem das Körpergewicht des Sportlers dem Winddruck entgegenwirkt.

Klassische Fehler

Beim sogenannten spin out reißt an der Finne der Wasserstrom ab und Luftbläschen bilden Verwirbelungen, die die richtungsstabilisierende Wirkung der Finne nicht mehr gewährleisten. Dies hat für den Sportler den Effekt, dass beim Gleiten das Brett plötzlich seitlich wegrutscht. Damit wird das Surfbrett unsteuerbar, was oft zu einem Sturz führt. Die Ursache ist ein zu hoher Druck auf die Seitenfläche der Finne. Als Gegenmaßnahme kann eine größere Finne eingebaut werden, der Mastfuß nach vorne verschoben oder der Fahrstil bzw. der Kurs zum Wind geändert werden. Mit einigem Geschick kann man das Brett bei einem „spin out“ wieder auf Kurs bringen, wenn man das Heck mit dem Fuß in der hinteren Fußschlaufe ruckartig zu sich heranzieht und das Gewicht zum Mastfuß hin verlagert, was zum nachfolgenden Fehler führen könnte.

Bei Starkwind besteht die Gefahr eines Schleudersturzes, wenn man zu nah am Mastfuß steht und durch eine plötzliche Böe mit dem Rigg über das Surfbrett geschleudert wird. Dabei wird man u.U. aus den Fußschlaufen gehoben, vom Trapez kann man sich jedoch nicht mehr losmachen. Um Kopfverletzungen bei einem Aufschlag auf Gabelbaum, Mast oder Brett vorzubeugen, lässt man den Gabelbaum beim Schleudersturz keinesfalls los und hält dabei die Arme ausgestreckt. Dieser Fehler passiert vor allem unerfahrenen und ungeübten Windsurfern, mit fortgeschrittener Könnensstufe erlebt man einen Schleudersturz nur noch als Folgewirkung eines missglückten Manövers. Der so beliebte Vorwärts-Looping (front loop) ist übrigens nichts anderes als ein kontrollierter Schleudersturz.

Vorfahrtregeln

Windsurfer müssen allen anderen Wasserfahrzeugen Vorfahrt gewähren:

  1. Fahrzeuge der öffentlichen Sicherheitsdienste wenn sie im Einsatz (Blaulicht etc.) sind: Polizei, Hafenbehörden, Rettungsdienste, Feuerwehr, Zoll und andere

  2. Vorrangfahrzeuge und schwer bewegliche Fahrzeuge (Linienschiffe (grüner Ball), Fähren und andere)

  3. Fahrzeuge der Berufsfischerei (Kennzeichen in Österreich: weißer Ball)

  4. Flöße

  5. Segelfahrzeuge

  6. Ruderfahrzeuge

  7. Fahrzeuge mit Maschinenantrieb ausgenommen (Fahrzeuge gemäß Ziffer 1 bis 3)

  8. Schwimmkörper, ausgenommen Flöße.

Gegenüber anderen Wind- und Kitesurfern gelten die Ausweichregeln zwischen Segelfahrzeugen:

  1. Bei entgegenkommenden Surfern: Kurshaltepflicht für den, der das Schot an Backbord liegen hat, Ausweichpflicht für den mit Steuerbord-Schot. Mit Schot ist beim Windsurfen das hintere Gabelbaumende, das Schothorn, gemeint. Wenn also die rechte Hand näher beim Mast ist, hat man Kurshaltepflicht und wenn es die Linke ist, dann hat man Ausweichpflicht. Beim Kiten wird unter Schot die Position des Lenkdrachens zur Längsachse des Brettes verstanden. Merksatz: „Backbord-Schot vor Steuerbord-Schot“ oder „Steuerbordbug weicht Backbordbug“.

  2. Bei Kollisionskurs im spitzen Winkel auf ähnlichem Kurs: Kurshaltepflicht für den, der in Lee fährt, Ausweichpflicht für den Surfer in Luv. Das deshalb, weil der in Lee fahrende Surfer den in Luv fahrenden im Rücken hat und kaum sehen kann. Merksatz: „Lee vor Luv“.

  3. Überholt wird nach Möglichkeit immer in Luv. Dem Überholten muss die Möglichkeit des Abfallens, zum Beispiel für die Halse, gelassen werden. Merksatz: „Vorbei in Luv“.

  4. In der Hafeneinfahrt: Einfahrer vor Ausfahrer, damit Surfer mit beschädigtem Material oder mit körperlichen Problemen ungehindert den sicheren Hafen erreichen können. Merksatz: „Erst rein, dann raus“.

Wettkämpfe

Allgemeines

Offizielle Windsurfwettkämpfe verlangen eine Windgeschwindigkeit von 10 Knoten (18,5 km/h). Das entspricht der Windstärke 4, oder der Meldung „mäßiger Wind“ im Wetterbericht. Bei dieser Windstärke beginnen die Surfbretter auf dem Wasser zu gleiten und werden dabei deutlich schneller als 20 km/h.

Freestyle (Vielfalt, Originalität und Ausführung artistischer Elemente wie Loopings, Drehungen und Sprünge) und Waveriding (Sprünge über die Wellen und das Abreiten der Wellen) sind durch Kampfrichter bewertete Wettbewerbe. Olympische Klasse, Formula Klasse, Slalom und Supercross sind Rennen, bei denen viele Teilnehmer einen festgelegten Kurs absolvieren. Speed ist ein Rennen, bei dem die Teilnehmer nacheinander einen geraden Kurs befahren (z. B. 500 Meter oder eine halbe Meile). Indoor sind Hallenwettbewerbe, meist für Freestyle und Long Distance sind Langstrecken-Wettfahrten.

Olympia

Das Windsurfen wurde für Männer 1984 in Los Angeles olympische Disziplin, die Frauen folgten 1992 in Barcelona.

Die Ausrüstung der olympischen Klasse ist für alle Teilnehmer gleich. Für die Olympischen Spiele 1984 setzte sich bei der IYRU (International Yacht Racing Union) der deutsche Windglider als einzig zulässiger Surfbretttyp gegen den weltweit meistgefahrenen Typen Windsurfer durch. 1996, 2000 und 2004 wurden die Windsurfregatten auf dem Mistral One Design gefahren. Auf der ISAF-Jahreshauptversammlung 2005 wurde der Neilpryde-Vorschlag „RS:X“ zum neuen Olympiaboard für die Olympischen Spiele 2008 in Peking gewählt. National und international wichtige RS:X Regatta-Termine und Ergebnisse kann man beim DWSV abrufen.

Welt- und Europameisterschaften

Jährlich wird von der Professional Windsurfers Association (PWA) die Surfweltmeisterschaft in den Disziplinen Wave, Freestyle, Slalom, Supercross und teilweise Indoor ausgetragen. Daneben werden Weltmeister für Speed, Racing und in der Formulaklasse gekürt.

Außerdem gibt es die Europameisterschaften im Freestyle, ausgetragen durch die EFPT (European Freestyle Pro Tour).

Im deutschsprachigen Raum finden diese Wettbewerbe meist auf Sylt oder in Podersdorf statt. Der Windsurf World Cup Sylt ist die größte Veranstaltung ihrer Art, die regelmäßig ausgetragen wird.

Trends

Seit dem Jahr 2000 hat sich der Trend zu Freestyle-Flachwassermanövern der New School verstärkt. Dabei wird viel gesprungen und die Beherrschung des Sportgerätes in artistischer Art und Weise zur Schau gestellt. Hier hat sich vor allem Marcilio Browne als Freestyle-Weltmeister von 2007 einen Namen in der Szene gemacht. Der amtierende Weltmeister in dieser Disziplin ist Jose "Gollito" Estredo, der auch schon in den Jahren 2008 und 2009 diesen Titel innehatte. Zudem wurde bei Windsurfregatten die Disziplin Supercross eingeführt, bei der unter anderem Hindernisse auf dem Wasser zu überspringen sind. Auch das Speedsurfen ist wieder zu neuen Ehren gekommen, seit der Weltrekord für segelgetriebene Wasserfahrzeuge wieder bei den Surfern ist.

Die Stars

Als lebende Legenden der Sportart gelten der Hawaiier Robby Naish und der niederländische 36-malige Weltmeister Bjørn Dunkerbeck. Beide trugen neben ihren sportlichen Erfolgen maßgeblich zur Weiterentwicklung des Materials bei.

Quelle: Wikipedia "Windsurfen" 

 

Kitesurfen


Kitesurfen oder auch Kiteboarden ist ein junger Trendsport, der aus der Familie des Powerkitens entstanden ist, wobei man einen „Kite“ (Lenkdrachen) für die Fortbewegung auf dem Wasser mit Hilfe eines Kiteboards verwendet. Der Sportler befindet sich dabei auf dem „Board“ und wird durch einen lenkbaren „Kite“, auch Windschirm oder kurz Schirm genannt, gezogen.

Weltweit gibt es zurzeit nach Schätzungen von Experten und der Industrie ca. 500.000 Menschen, die diesen Sport regelmäßig betreiben. Die Anzahl der Kitesurfer hat in den letzten Jahren rapide zugenommen, zumal dieser Wassersport leichter zu erlernen ist, als z.B. Windsurfen und gleichzeitig im Vergleich dazu die Ausrüstung günstiger und kompakter ist. Abgesehen davon, ermöglicht kein anderer Wassersport eine so umfangreiche Vielfalt an Sprüngen und Tricks.

In den letzten Jahren hat sich die Ausrüstung, was das Thema Sicherheit betrifft, stark verbessert. Sämtliche Kitehersteller haben ihre Produkte mit umfassenden Sicherheitssystemen ausgestattet, bzw. noch weiter verbessert, was zu einer deutlichen Reduzierung des Gefahrenpotenzials geführt hat. Experten raten daher ab, Kite- und Barsysteme zu benutzen, die vor dem Jahr 2006 erschienen sind, da die signifikanteste Sicherheitsentwicklung erst zu dieser Zeit stattfand.

Geschichte

In den 1820er Jahren experimentierte der englische Lehrer George Pocock mit großen Lenkdrachen, um damit Kutschen und kleine Boote anzutreiben. Zum Steuern verwendete er ein 4-Leinen System, welches dem heutzutage beim Kitesurfen verwendeten schon sehr nahe kam. Sowohl die Kutschen als auch die Schiffe konnten somit nach Lee fahren, dazu parallel und kleine Sprünge absolvieren. Pococks Absicht war es, das von ihm "Charvolant" genannte System als echte Alternative zu Pferden zu etablieren, um somit die zu seiner Zeit übliche "Pferdesteuer" zu umgehen. Sein Konzept konnte sich aber nicht durchsetzen, so dass es bis Ende des Jahrhunderts fast komplett in Vergessenheit geriet. 1903 entwickelte der Luftfahrtpionier Samuel Franklin Cody den "Man-lifting Kite", verband diesen mit einem kleinen Segelboot und überquerte damit den Ärmelkanal.

Die Entwicklung von Kevlar und Spectra Kunststoffen in den späten 1970er Jahren machten den Siegeszug der Kites erst möglich, denn mit diesen Materialien ließen sich stabilere, reißfestere und effektivere Tücher für die Kites herstellen. Mit dem aus Kevlar und Spectra hergestellten "FlexiFoil" Lenkdrachen gelang es Ian Day mit rund 40 km/h mit seinen Katamaran über das Wasser zu fahren.

In den 70er und Anfang der 80er Jahre entwickelte der deutsche Dieter Strasilla ein Segelsystem, mit dem sowohl auf Land als auch im Wasser und auf Schnee gesegelt werden kann. Mit dem zusammen mit seinem Bruder Udo entwickelten und patentierten „Skywing“-System wurde dann auch das Springen und Fliegen bzw. Gleiten möglich. Strasilla und ein Freund von ihm, der Schweizer Andrea Kuhn, kombinierten das System mit Skiern, Snowboards, Grasskiern sowie selbstgebauten Buggys. In einem seiner Patente geht Strasilla auch kurz auf die Idee ein, aufblasbare Kites zum Kitesurfen zu verwenden.

In den 80er Jahren fanden u.a. in Schweden Versuche statt, Kanus, Schlittschuhläufer, Skifahrer, Wasserskifahrer und Rollschuhfahrer mit Lenkdrachen anzutreiben.

Die Brüder Bruno und Dominique Legaignoux entwickelten Anfang der 80er aufblasbare Lenkdrachen zum Kitesurfen und ließen sich diese Idee im November 1984 patentieren.  Dieser sah bereits fast genauso aus wie ein heutiger Tubekite und diente als Ausgangsmodell für alle weiteren Entwicklungen.

1990 wurde durch den Neuseeländer Peter Lynn das Buggykiting entwickelt und im Ashburtoner Argyle Park erstmals angewandt. Dazu kombinierte er den Drachen mit einem dreirädrigen Buggy, ähnlich einem Kettcar. Das Buggykiting wurde daraufhin zum ersten weit verbreiteten Kitesport, so dass bis 1999 rund 14.000 Kitebuggys weltweit verkauft wurden.

Ähnlich der Idee der Legaignoux-Brüder, entwickelten Anfang der 90er der amerikanische Boeing-Aerodynamiker Bill Roeseler und sein Sohn Corey das "KiteSki" System. Die Idee war es, einen Wasserskier mit einem zweileinigen Deltaförmigen-Tubekite zu ziehen. Gesteuert werden konnte der Kite mit einer Lenkstange (Bar). Nachdem sie sich den "KiteSki" patentieren ließen, ging dieser 1994 auf den Markt. Durch seine Luftschläuche konnte der Kite auch nach einer Wasserlandung wieder gestartet werden. Ende der 1990er verwendete Corey Roesler dann erstmals ein Brett, ähnlich einem Surfboard, anstatt Wasserkiern.

Laird Hamilton und Manu Bertin demonstrierten das Kitesurfen 1996 der Öffentlichkeit an der Küste Mauis auf Hawaii, und halfen dadurch, den Sport populärer zu machen.

Auch die Legaignoux-Brüder hielten an ihrer Idee fest, entwickelten diese weiter und brachten schließlich 1997 den "Wipika"-Tubekite auf den Markt. Dieser hatte eine Bow-Kite-Form mit breiteren Enden als die bisherigen Kites und ermöglichte dadurch einen leichteren Wasserstart. Im selben Jahr entwickelten die Franzosen Raphaël Salles und Laurent Ness ein spezielles Kitesurfboard, was seinen Beitrag zur weltweiten Verbreitung des Kitesurfens ab 1998 leistete. Erste Surfschulen lehrten nun das Kitesurfen. Der erste Wettbewerb fand im September 1998 statt, Sieger war der Amerikaner Flash Austin.

Bis etwa 2001 waren die den Windsurfbrettern ähnlichen Directional-Boards der dominierende Board-Typ. Ab dann wurden die den Wakeboards ähnlichen Twin Tips zunehmend populärer.

Rekorde

Wie bei anderen Extremsportarten gibt es auch beim Kitesurfen mehrere Rekorde in unterschiedlichen Disziplinen, wobei meist zwischen offiziellen und inoffiziellen unterschieden wird.

Sprünge

Bei Sprüngen liegt der Rekord für die Höhe bei ca. 10 Metern offiziell (bei 48 Metern inoffiziell) und einer Weite von 250 Metern. Der längste bisher beweisbare Sprung dauerte 22 Sekunden und wurde am 28. Juli 2007 von Jessie Richman in der Golden-Gate-Meeresenge vor San Francisco durchgeführt.

Geschwindigkeit

Offizieller Speed-Weltrekordhalter nach Version des WGPSSRC: der Franzose Sebastian Catellan mit 56,87 Knoten = 105,32 km/h (Durchschnittsgeschwindigkeit über 10 sec) am 28. Oktober 2009 bei der Lüderitz Speed Challenge in Lüderitz in Namibia.

Offizieller Speed-Weltrekordhalter nach Version des WSSRC: der Franzose Alexandre Caizergues mit 50,98 Knoten = 94,41 km/h (Durchschnittsgeschwindigkeit über 500m) am 14. November 2009 in Lüderitz/Namibia.

Speed-Weltrekordhalter laut des Guinness-Buch der Rekorde: der US-Amerikaner Rob Douglas mit 55,65 Knoten = 103 km/h am 28. Oktober 2010 bei der Lüderitz Speed Challenge in Lüderitz/Namibia.

Distanz

Beim Kiteboarden ist es auch möglich längere Distanzen zu fahren, daher gibt es auch in dieser (inoffiziellen) Disziplin mehrere Rekorde.

  • Die Waliserin Kirsty Jones kitete am 13. Mai 2006 in rund 9 Stunden 225 km alleine von Lanzarote nach Tarfaya in Marokko.

  • Eine Rekordkombination aus Entfernung und Geschwindigkeit gelang den Franzosen Raphaël Salles, Marc Blanc und Sylvain Maurain, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 38 km/h in nur 5:30 Stunden 207 km, von Saint Tropez nach Calvi mit den Kites fuhren. Dabei schlugen sie Manu Bertins Rekord auf dieser Strecke, der eine Stunde länger brauchte.

  • Natalie Clarke überquerte am 22. März 2010 die 240 km lange Bass-Straße von Stanley in Tasmanien nach Venus Bay in Australien in 9 Stunden und 30 Minuten.

  • Rimas Kinka brach im November 2011 den Guinness World Record im Bereich "Longest Distance Kitesurfed". Er kitete 313.7 miles (504.8 kilometres) in Islamorada, Florida, USA. Er war 24 Stunden unterwegs.

Ausrüstung

Die Kitesurf-Ausrüstung besteht aus mehreren Teilen. Die drei wichtigsten bilden dabei das Board, die Bar mit den Steuerungs- und Sicherheitsleinen und der Kite selbst. Hier gibt es große Unterschiede in Bauart und Größe, so dass die Ausrüstung an Körpergewicht und Könnensstand des Sportlers sowie an unterschiedliche Windstärken angepasst werden kann.

Das Brett

Grundsätzlich wird zwischen drei Arten von Boards unterschieden: Es gibt "Twin Tips" (auch "Bidies" oder "TT" genannt), Mutant-Boards und Directional-Boards (auch Waveboards genannt). Alle drei Boardvarianten haben im Gegensatz zu Surfbrettern keinen nennenswerten Auftrieb, dieser entsteht erst hydrodynamisch durch die Fahrt über Wasser. Dadurch erklären sich auch die Maße der einzelnen Boards, die in Abhängigkeit von Könnensstand, Windstärke, Körpergewicht und Kitegröße zwischen 120 und 165 cm in der Länge und etwa 26 bis 45 cm in der Breite variieren. Seit Beginn des Kitesports gab es große Entwicklungssprünge; mittlerweile haben sich die Twin Tips am Markt durchgesetzt und werden vom Großteil der Kitesurfer gefahren.

Die Kraftübertragung der Steuerungsbewegungen der Füße auf das Brett erfolgt in den meisten Fällen über Fußschlaufen, doch es werden vereinzelt auch feste Bindungen eingesetzt. Boards ohne Bindung oder Schlaufen existieren ebenfalls. Vereinzelt werden auch normale Surfboards eingesetzt, die dann für das sogenannte "Wavekiten" benutzt werden.

Twin Tips

Das Twin Tip ist ähnlich wie ein Wakeboard oder Snowboard aufgebaut und lässt sich in beide Richtungen fahren (bidirektional). Es weist harte, scharfe Kanten und eine widerstandsarme, flache Bauweise auf. Es wurde ursprünglich aus dem Wakeboarden adaptiert und ist für das Kitesurfen modifiziert worden. Die Twin Tips eignen sich sowohl für Einsteiger als auch für sehr erfahrene Sportler, wobei mit steigendem Könnensstand die Boardgröße meist abnimmt. Charakteristisch für diesen Boardtyp ist die Symmetrie hinsichtlich Outline, Shape und Anordnung der Fußschlaufen. Dies hat den großen Vorteil, dass bei einem Richtungswechsel kein Fußwechsel stattfinden muss. Unterschieden wird noch einmal zwischen großen Twin Tips, deren Form auf beiden Seiten Konkav ist und kleinen Twin Tips, deren Form Konvex ist. Die Grenzen sind aber fließend.

Mutant-Boards

Die Mutants sind eine Mischung aus TTs und Directional Boards. Die Form ähnelt der eines Directionals (klare Unterscheidung zwischen Bug und Heck). Prinzipiell ist es für das fahren in eine Richtung konzipiert, kann aber aufgrund zweier Finnen am Bug auch bidirektional gefahren werden. Wie bei einem Twin Tip gibt es meist nur zwei Fußschlaufen.

Directional-Boards

Das Directional ist "die Mutter" aller Kiteboards und wurde direkt aus dem Wellenreiten übernommen. Anders als bei den vorherigen Board Typen ist die Bauweise bei den Directionals etwas höher und der Auftrieb etwas größer. Aufgrund fehlender Finnen am Bug und der spitz zulaufenden Form ist es nur in eine Richtung fahrbar, so dass ein Fußwechsel erfolgen muss, wenn man in die andere Richtung fahren möchte. Aufgrund seines besonderen Fahrgefühls sowohl beim Fahren in größeren Wellen als auch bei relativ ruhiger See ist es vor allem eine spaßbringende Alternative zum Twin Tip. Es eignet sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene.

Die Bar, Steuerungs- und Sicherheitsleinen

Die Kitebar oder einfach nur Bar verbindet den Sportler über 24-30 m lange Steuerungs- und Sicherheitsleinen mit dem Kite und ermöglicht dessen Steuerung hinsichtlich der Richtung und der Kraftentwicklung. Die neueren Modelle verfügen darüber hinaus über mehrere Sicherheitsmechanismen zum teilweisen oder vollständigen Trennen vom Schirm im Falle von Gefahr und/oder Kontrollverlust über den Schirm. Meist sind diese Sicherheitsauslösungen eine Quickrelease am Chickenloop (Kite stürzt auf das Wasser, ist aber noch mit einer Leine mit dem Trapez verbunden damit der Kite nicht verlorengeht) und eine Safetyleash (Beim Trennen von der Safetyleash ist der Sportler vollständig vom Kite getrennt). Unterschieden werden drei Bar-Systeme mit einer unterschiedlichen Anzahl von Leinen:

  • 4-Leiner: Zwei Leinen sind für die Übertragung der Zugkräfte zuständig. Sie werden in der Mitte zur Depower-Leine zusammen geführt und über eine zentrale Durchführung sowie einer Schlaufe am Ende (Chickenloop) am Trapezhaken befestigt. Die anderen zwei Leinen (Lenkleinen oder auch Bremsleinen) werden links und rechts an den Enden der Bar befestigt. Sie ermöglichen weitere aerodynamische Manipulationen wie: Lenken, Anstellwinkel verändern, Anbremsen.

  • 5-Leiner: Die 5. Leine ist zentral oder als „Y“ an der Vorderkante der Fronttube befestigt. Der Drachen kann durch Zug an dieser Leine drucklos auswehen, was einen Gewinn an Sicherheit bedeutet. Beim Start aus dem Wasser hilft sie außerdem, den Drachen in eine günstige Startposition zu bringen (Umklappen). Eine trimmbare fünfte Leine dient der Stabilisierung des Drachenprofils und erweitert somit den nutzbaren Windbereich.

  • 2-Leiner: Ein Zwei-Leiner lässt nur eine eingeschränkte Depower des Schirms zu. Durch Loslassen der Bar kann der Schirm in einer Notsituation sofort an einer der Leinen auswehen. Er hängt dann nur noch an der Sicherheitsleine, die oft am Trapez, früher am Handgelenk befestigt wurde. Gelegentlich wird dieses System in der Anfängerschulung eingesetzt.

Der Schirm

Kites gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, die sich auch in Angriffsfläche und Winkel des Windes unterscheiden. Mittels Leinen kann der Lenkdrachen so gesteuert werden, dass die auf den Sportler ausgeübten Kräfte in Richtung und Stärke variieren. Die Größe des Schirmes ist auch von der Windstärke abhängig. Die meistgefahrenen Größen sind 9 bis 12 m². Stärkere Winde erfordern kleinere Schirme, um Überbelastungen zu vermeiden. Besonders Anfänger sollten darauf achten, keinen zu großen Drachen zu verwenden. Hier ist zu bedenken, dass eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit eine Vervierfachung der Kräfte im Kite nach sich zieht. Ein 9-m²-Kite kann bei 6 Windstärken locker zwei erwachsene Männer aus dem Wasser reißen. Fehlerhafte Lenkbewegungen können daher dramatische Folgen nach sich ziehen.

Neuere Drachen sind mit einer „Depower“-Möglichkeit ausgestattet, wodurch die auftretenden Kräfte verringert werden können. Unter Verwendung von „Depower“ wird der Winkel der Anströmkante des Drachens zum Wind reduziert und das Profil des Kites verändert, so dass sich weniger Wind im Schirm fängt und der Zug des Drachens abnimmt. Hauptsächlich wird zwischen Softkites und Tubekites unterschieden:

Softkites

Die Softkites oder auch Ram-Air-Kites oder Matten sehen aus wie Gleitschirme und eignen sich vor allem zur Benutzung an Land, z. B. beim Snowboarden oder Allterainboarden. Es gibt aber auch Softkites mit geschlossenen Zellen, die man zum Surfen auf dem Wasser benutzen kann. Sie erhalten ihre Stabilität dadurch, dass die Luft über Lufteinlassventile an der Anströmkante eindringen kann, dort zwischen zwei Tuchschichten "gespeichert" bleibt, und nicht mehr entweichen kann. Softkites mit offenen Zellen hingegen würden sich bei einem Absturz im Wasser mit Wasser füllen und wären somit nur noch schwer flugfähig. Der Begriff Ram-Air bezieht sich auf die Stauluft zwischen Ober- und Untersegel, durch die der Schirm seine Form erhält. Die Flugstabilität wird grundlegend durch Waageleinen erzeugt. Softkites kommen z. T. mit 3 Leinen aus. Bei diesem System gehen die drei Waageleinen in eine Mittellein (Frontline) und zwei Steuerleinen (Backlines) über. Manche Matten haben hingegen Anknüpfpunkte wie Tubekites (4-Leiner).

Tubekites

Tubekites haben anders als Softkites mehrere Luftschläuche (Tubes): einen Frontschlauch (Fronttube), der dem Schirm die Form gibt und mehrere Querschläuche (Struts), die etwa in einem 90° Winkel an die Fronttube angeschlossen sind und der „Segelfläche“ Stabilität geben. Diese Luftkammern werden vor dem Start auf einen Druck von ca. 6–8 psi (ca. 0,4-0,6 bar) aufgepumpt. Sie verhindern nach einer Wasserlandung das Versinken des Schirms und erleichtern so den Wasserstart. Innerhalb der Tubekites wird zwischen 4 Unterarten unterschieden:

C-Kites

C-Kites waren die ersten Tubekites, und erhielten ihren Namen nach der dem Buchstaben „C“ ähnelnden Form des Kites. Sie finden heute vor allem im Freestyle Bereich besonders bei sehr guten Fahrern noch eine weite Verbreitung. Vorteile der C-Kites sind ein sehr direktes Fluggefühl, eine lineare Leistungsabgabe, geringe Barkräfte und ein hohes Potential an abrufbarer Leistung insbesondere bei Sprüngen im Freestyle-Bereich. Durch im Vergleich zu Bow-Kites nur minimaler Depower sind diese Kites für Anfänger eher ungeeignet.

Bow-Kites

Die Bow-Kites sind den C-Kites in der Konstruktion sehr ähnlich, jedoch fällt dass Profil wesentlich flacher aus und die Fronttube verläuft nicht linear, sondern ist zu den beiden Enden hin bogenförmig herumgezogen, was zur Namensgebung führte. Der Bogenschirm besitzt darüber hinaus „Waageschnüre“ mit mehreren Anknüpfungspunkten am Drachen. Durch diese optimierte Form und „Aufhängung“ kann man durch Wegschieben der Bar den Anstellwinkel des Drachens zum Wind über einen im Vergleich größeren Bereich bis nahezu 100 % Depower verstellen, d. h. im Normalfall zieht der Kite den Surfer nicht mehr unvermittelt nach Lee (siehe Gefahren). Somit ist der Kite sehr gut für Anfänger geeignet und wird meist auch bei Kursen eingesetzt. Nachteilig an Bow-Kites ist das oft indirekte Fluggefühl, was besonders im fortgeschrittenen Freestyle-Bereich gegenüber C-Kites ein echtes Manko darstellt.

Hybrid-Kites

Hybrid-Kites bilden eine Mischung aus C-Kites und Bow-Kites. Sie sind wie Bow-Kites meist SLE- (Supported Leading Edge-) Kites, d. h. die Fronttube wird durch Waageleinen an mehreren Anknüpfpunkten stabilisiert. Dadurch ergibt sich ähnlich wie bei Bow-Kites eine hohes Depower-Potential. Die Steuerleinen sind allerdings, ähnlich wie bei C-Kites, meistens direkt am Drachen angeknüpft. Daraus ergeben sich ein direkteres Flug- und Lenkgefühl sowie geringere Kräfte an der Bar. Diese Merkmale werden besonders von fortgeschrittenen Fahrern gefordert. Für Anfänger sind Hybrid-Kites nicht so fehlerverzeihend wie Bow- oder Delta-Kites.

Springen

Ein Kiter springt, indem er den Drachen in voller Fahrt über den Zenit in den anderen Windfensterrand bewegt durch den Auftrieb des Kites schließlich in die Luft gehoben wird. Es lassen sich so große Sprünge – teils schon Flüge – vollbringen. Um nicht nach vorne zu drehen, und sich dadurch mit dem Rücken in Flugrichtung zu befinden, sollte der Sportler eine möglichst kompakte Haltung einnehmen und eine hohe Körperspannung aufweisen. Zum Landen wird der Kite langsam wieder in den ursprünglichen Windfensterrad zurücklenkt. Einen einfachen Sprung nennt man Basic Jump, Air oder bei einem besonders hohen und/oder weitem Sprung Big Air

Wie auch beim Snowboarden, Skaten und ähnlichen Sportarten sind sowohl Flip- als auch Grab-Tricks und darüber hinaus One-Foots, Board-Offs, und aus dem Wakeboarden adaptierte Tricks wie Raileys möglich.

  • Bei den Flip-Tricks kann sich der Kiter einfach nach Rechts oder Links, horizontal um die eigene Achse drehen (360 Flip), oder vertikal nach Vorne oder Hinten (Fronftlip, bzw. Backflip)

  • Bei Grab-Tricks hat der Akteur noch mehr Möglichkeiten, wie das nebenstehende Schaubild verdeutlicht. Flip- und Grab Tricks lassen sich aber auch Verbinden, so dass Tricks wie "360 Melons" oder "720 Tailgrabs" möglich sind.

  • Bei One-Foot-Tricks steigt der Kiter mit einem Fuß aus der Bindung/Schlaufe aus und kombiniert dies mit einem Grab Trick (zur Kontrolle des Boards) und ggf. einem Flip Trick. Ein reiner One-Foot wird selten durchgeführt, da die Wahrscheinlichkeit das Board in der Luft zu Verlieren sehr groß ist.

  • Bei Board-Offs steigt der Kiter mit beiden Füßen aus der Bindung/ den Schlaufen. Hier ist die Kombination mit einem Grab-Trick zwangsweise Erforderlich, da man sonst das Board verlieren würde. Auch hier ist die Kombination mit einem Flip möglich.

  • Eine besondere Sprungart stellen die Raileys dar, da bei diesen der Kiter nur noch mit der Safetyleash mit dem Kite verbunden ist (er fährt "unhooked"). Nach dem Absprung wird die Bar am Trapez ausgehängt, der Kiter streckt die Arme aus und bringt durch nach hinten abgeknickte Beine das Board auf, oder über Kopfhöhe. Zum Landen muss der Sportler Arme und Beine wieder anziehen, und die Bar einhaken.

Fachausdrücke beim Kitesurfen

  • Air time: Dauer eines Sprunges. Diese beträgt meist 3-5 oder 10 Sekunden, kann bei besonders hohen Sprüngen oder guten Windbedingungen aber auch wie bei einem Sprung Jessie Richmans 22 Sekunden betragen.

  • Aspect-ratio: Das Verhältnis zwischen Breite und Höhe des Kites (variiert bei den gängigen Kites zwischen High-aspect-ratio von 5,0 und Low-aspect-ration von 3,0)

  • Bladder: Der aufblasbare Kunststoffschlauch, der sich in den Tubes befindet und vor dem Start des Kites mit 0,4 bis 0,6 bar aufgepumpt wird. Der Druck ist von der Umgebungstemperatur und der Wassertemperatur abhängig. Bei starker Sonneneinstrahlung und hoher Lufttemperatur kann die Bladder auch ohne Fremdeinwirkung platzen, wenn sie zuvor zu stark aufgepumpt wurde. Gibt man jedoch zu wenig Druck in die Tubes, entwickelt der Kite erst gar kein Profil, oder die Luft in den Tubes kühlt bei Kontakt mit dem Wasser so stark ab, dass der Kite sein Profil verliert und nicht mehr ohne fremde Hilfe gestartet werden kann.

  • C-Kite-Feeling: Damit sind die Vorzüge des direkten Steuerverhaltens und der niedrigen Haltekräfte des C-Kites gemeint. Die Hersteller versuchen zunehmend, diese positiven Eigenschaften auf neuere Kitemodelle (z.B. Delta-Kites) zu übertragen, die durch Verbesserung der Depower-Wirkung und anderer Sicherheitsaspekte leider etwas an C-Kite-Feeling verloren haben.

  • High-End: Starkwindeigenschaft - Die High-End-Eigenschaft eines Kites umfasst, wie sich ein Kite - in Bezug auf seine Größe - bei starkem Wind verhält. Ein Kite mit gutem High-End bietet also bei viel Wind gute Zugkräfte und lässt sich trotzdem kontrolliert und sicher steuern.

  • Low-End: Leichtwindeigenschaft - Wie der Ausdruck schon vermuten lässt, handelt es sich bei der Low-End-Eigenschaft um das exakte Gegenteil zum High-End. Ein Kite mit gutem Low-End, entfaltet bei - für seine Größe - wenig Wind bereits respektable Zugkräfte und gutes Steuerverhalten.

  • Leading-Edge: Die alternative Bezeichnung für die Front-Tube.

  • New School: Die "Neue Schule" umfasst das Repertoire der Tricks aus dem Wakeboarden, bei denen der Kite "unhooked" gefahren wird. Das heißt, der Fahrer hängt vor dem Trick den Chickenloop aus dem Trapez aus und ist nur noch über die Hände an der Bar und die Safety-Leash mit dem Kite verbunden. Dies ist die Grundlage für einige Sprünge und Tricks, die eingehakt nicht möglich wären (z.B. Airpass, Handle-Pass, etc).

  • Old School: Das Fahren und Springen in Manier der "Alten Schule", das seit den Anfängen des Kitesurfens existiert und bei dem der Fahrer eingehakt ist.

  • Stall: Der Strömungsabriss (engl. "Stall") tritt auf, wenn zu wenig Wind über das Profil des Kites strömt und die Kraft des Sogs, der den Kite in der Luft hält, kleiner wird, als seine eigene Gewichtskraft. Der Kite entwickelt also keinen Zug mehr und stürzt anschließend auf die Oberfläche. Eine Sonderform ist hierbei der sogenannte "Backstall", der entsteht, wenn der Kite sehr tief im Windfenster steht, und der Anstellwinkel des Kites durch Anziehen der Bar derart groß wird, dass der Wind den Kite nicht mehr nach oben zieht, sondern nach unten drückt, sich der Kite überschlägt und letztendlich abstürzt. Dies ist ein häufiger Anfängerfehler und hat den Nachteil, dass sich bei einem 5-Leinen-System die 5-te einmal um den Kite wickelt und auch bei einem gelungenen Restart dessen Flugeigenschaften deutlich negativ beeinflusst. Ein "Frontstall" wird hervorgerufen, wenn der Kite den Surfer überfliegt. Dies passiert, wenn der Kite aus einer Position tief im Windfenster mit viel Schwung an den Windfensterrand (meist auf die 12-Uhr-Position) geflogen wird. Ein Strömungsabriss ist die Folge und der Kite fällt unkontrolliert aufs Wasser.

  • Wave: Eine Disziplin, bei der die Elemente des Kitesurfens mit denen des Wellenreitens kombiniert werden. Der Surfer lässt sich mit Kiteunterstützung aufs Meer hinaus ziehen und reitet dann dort die Wellen ab. Der Kite wird dann an den Windfensterrand gebracht, wo er kaum Zugkräfte ausbilden kann und den Surfer auf der Welle am wenigsten beeinflusst. Natürlich sind durch die Vorzüge des Kites dem Surfer auch andere Möglichkeiten gegeben, z.B. gegen die Wellen anzufahren und diese als Rampen zu verwenden.

Gefahrenpotenzial

Kiten birgt wie jede Wasser- und Flugsportart einige Risiken, die sich nicht vollständig reduzieren lassen. Unfälle sind häufig auf schlecht ausgebildete, auch leichtsinnige Kitesurfer sowie Mängel bei der Ausrüstung zurückzuführen. Insbesondere über Land und bei festen Hindernissen ist der Kitesurfer in Gefahr.

Da Kitesurfen noch eine recht junge Sportart ist und viele (vorwiegend zwischen 15 und 25 Jahren) Kitesurfer ihr Können überschätzen, gibt es regelmäßig Unfälle, nicht selten mit schweren Verletzungen. Durch neuere Konstruktionen der Kites und ein zunehmendes Gefahrenbewusstsein wird Kiten sicherer. Ein Verletzungs-Risiko geht auch von den Leinen aus, welche unter Zugspannung sehr "scharf" sind. Das statistische Unfallrisiko beim Kitesurfen wird kontrovers diskutiert. Belastbare Belege für das tatsächliche Risiko gibt es nicht. Studien, die sich mit Kitesurfunfällen auseinandersetzen, behandeln die Unfallursachen und deren mögliche Vermeidung, nicht jedoch die Unfallhäufigkeit.

Sicherheitsmaßnahmen

Um Unfälle zu vermeiden und sich und andere zu Schützen sollte man folgende Aspekte abklären, bevor man aufs Wasser geht:

  • Kitesurfrevier:
  1. Die Location sollte mindestens 3 Leinenlängen (ca. 90 m) nach Lee breit sein, dort sollte sich ein geeigneter Notausstiegsplatz befinden, der auch mit Rettungsfahrzeugen erreicht werden kann. Darüber hinaus empfiehlt es sich darauf zu achten, welche potentiellen Gefahren sich am Ufer befinden (Bäume, Hochspannungsmasten, etc.), welche Gefahren im Wasser auftauchen könnten (Strömungen, Riffe, Sandbänke usw.) und ob in Luv irgendwelche Hindernisse stehen, die Windverwirbelungen erzeugen können.
  • Wind & Wetter:

2.  Je größer die Windstärke, desto größer sind die auf den Kiter wirkenden Kräfte. Das eigene Können sollte daher nicht überschätzt werden und ggf. ein kleinerer Schirm bei großen Windstärken verwendet werden.

3.  Zum Kiten eignet sich am besten konstanter Sideshore (Parallel zum Ufer) und Side-onshore Wind (leicht auflandiger Wind) mit etwa 10–35 Kn / 18–50 km/h / 3–8 Bft. Bei Auflandigem Wind besteht die Gefahr, auf das Ufer gezogen zu werden, bei Ablandigem die Gefahr zu weit ins Meer hinaus getrieben zu werden.

4.  Nie bei Gewitter kiten!

  • Material:

5.  Das gesamte Material sollte vor jedem Start auf Schäden und Abnutzungserscheinungen; und insbesondere beim Kite der korrekte Aufbau überprüft werden.

6.  Es sollte immer ein funktionierendes Notauslösesystem an der Bar (Quickrelease) und eine Safetyleash vorhanden sein.

7.  Am besten immer nur mit Helm und Prallschutzweste, insbesondere bei Verwendung einer Board-Leash, kiten.

  • Verhalten:

8.  Das Board und der Kite sollten an Land immer gut gesichert sein (am besten mit Sandsäcken, da diese einen Abrieb des mit Silikon gegen UV-Strahlung beschichteten Kites verhindern) und nie unbeobachtet bleiben (Diebstahlgefahr).

9.  Das Starten und Landen sollte immer mit einem eingewiesenen Helfer erfolgen, da dieser bei einem Unfall während dieser beiden Phasen nach deutschem Recht mithaftet!

10.  Das Ausweichen und Notsituationen wie das Trennen vom Schirm sollten gut trainiert sein.

11.  Nie über Personen starten, springen oder fahren, die sich im Flug- und Leinenradius des Kites befinden.

12.  Jeder Sportler sollte nur soweit hinaus fahren, wie er Schwimmen kann und nie allein Kiten, damit im Notfall Hilfe geholt werden kann.

Regeln

Der Schifffahrtsverkehr wird durch internationale, z.T. auch durch nationale Vorschriften geregelt, als "Verkehrsteilnehmer" haben sich daher auch Kitesurfer daran zu Halten. Auf der Hohen See und auf den mit dieser verbundenen Gewässern gelten die internationalen Kollisionsverhütungsregeln. Zudem können in den jeweiligen Hoheitsgewässern weitere und/oder von den Kollisionsverhütungsregeln abweichende Vorschriften gelten, die dann Vorrang haben. Auf innerstaatlichen Flüssen, Kanälen und sonstigen befahrenen Gewässern wie großen Seen gilt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung.

Für ein unfallfreies und reibungslos verlaufendens Surfen ist das (ungefähre) Kennen und die Beachtung dieser Regeln unbedingt erforderlich; Fahrverbote müssen in jedem Fall eingehalten werden.

Jeder Kiter sollte immer vorausschauend, den Umständen (abhängig von Verkehrsdichte, Manövrierfähigkeit und eigenem Können) entsprechend und immer so fahren, dass gefährliche Situationen von Grund auf vermieden werden, sodass es im besten Fall gar nicht erst zu einer Kollision kommt. Dabei sollte man zudem Rücksicht auf andere Kiter und Wassersportler nehmen, insbesondere gegenüber Anfängern.

Quelle: Wikipedia "Kitesurfen"